„Wollten Hauptunfallursachen nicht verharmlosen“: Berliner Polizei revidiert Aussage zu „Fahrradtoten“

ADFC und Hinterbliebene werfen dem Chef der Verkehrspolizei eine Verursacher-Opfer-Umkehr vor. Nun reagiert die Polizei – ohne das Wichtigste zu sagen. Von Ann-Kathrin Hipp.

„Wollten Hauptunfallursachen nicht verharmlosen“: Berliner Polizei revidiert Aussage zu „Fahrradtoten“
Foto: Daniel Naupold/picture-alliance/dpa

Bei den Fahrradtoten sei 2020 „zu einem großen Teil auch das Eigenverschulden unfallursächlich“ hatte Berlins oberster Verkehrspolizist Frank Schattling vergangene Woche gesagt – und war damit auf viel Kritik gestoßen. „Mein Mann Bernd Wissmann wurde von einem rücksichts- und hemmungslosen Fahrer mit mehr als 80 km/h getötet. Und ich fordere Sie auf, Herr Schattling, diese falsche Aussage öffentlich zu korrigieren“, hatte Sabine Speiser im Checkpoint geschrieben. Die Verdrehung führe „zu einer strukturellen Verursacher-Opfer-Umkehr innerhalb der Polizei“, kommentierte der ADFC und forderte ebenfalls eine Richtigstellung. Am Donnerstag kam die via Twitter: Man habe darlegen wollen, dass „im Sinne der Verkehrsunfallprävention alle Unfallursachen und damit auch dieser Teil“ betrachtet werden müsse, schreibt die Berliner Polizei. Weder sollte „vermittelt werden, dass es sich um den überwiegenden Teil handelt“, noch sollten „die Hauptunfallursachen, insbesondere das gefahrenträchtige und in Teilen tödliche Fehlverhalten beim Abbiegen, verharmlost oder relativiert werden“. Auch sei es nicht die Absicht gewesen, das „Andenken der Verstorbenen zu beschädigen und den Angehörigen zu nahe zu treten, sie zusätzlich zu verletzen.“ Was Kleines mit großer Wirkung fehlte: das Wort „Entschuldigung“.