Schlechter Teamgeist bei Berliner SPD: Sprangers Entlassung der Sportstaatssekretärin erntet Kritik aus Reinickendorf

Zuletzt ist die Innensenatorin durch den plötzlichen Rauswurf von Nicola Böcker-Giannini aufgefallen. Deren Nachfolgerin wurde Minuten später verkündet. Doch nicht nur schlechter Stil wird Spranger zum Vorwurf gemacht. Von Ann-Kathrin Hipp, Lorenz Maroldt und Anke Myrrhe

Schlechter Teamgeist bei Berliner SPD: Sprangers Entlassung der Sportstaatssekretärin erntet Kritik aus Reinickendorf
Iris Spranger (links) und Nicola Böcker-Giannini. Foto: Wolfgang Kumm/dpa; Imago/camera4+

Wie heißt es so schön im Sport: Dabeisein ist alles. Mittendrin statt nur dabei ist derzeit Iris Spranger, Sportsenatorin und bestens vernetzt in der Berliner SPD. Zuletzt aufgefallen durch den plötzlichen Rauswurf ihrer Staatssekretärin Nicola Böcker-Giannini – die Entlassung wurde am Dienstag offiziell vollzogen, ihre Nachfolgerin Franziska Becker 15 Minuten später offiziell verkündet. Dass Spranger beim Verfahren mindestens schlechten Stil gezeigt hat, darauf deuten folgende Vorgänge hin, die dem Checkpoint am Mittwoch berichtet wurden: 

Spranger soll am Tag der Entlassung Böcker-Gianninis eigenhändig (zusammen mit einem Mitarbeiter) Ordner aus dem Büro der Staatssekretärin geholt und in einem Safe gesichert haben, und …

… nicht weniger als vier Stunden nach dem Entlassungsbeschluss des Senats am Dienstag fuhr ein Referatsleiter ohne vorherige Anmeldung zur Privatadresse von Böcker-Giannini, klingelte (immerhin peinlich berührt), und überreichte der nun Ex-Staatssekretärin die Entlassungsurkunde an der Türschwelle. Die Behörde teilte gestern mit, man habe „schnellstmöglich Rechtsklarheit für Frau Dr. Böcker-Giannini“ schaffen wollen. Stil, stilvoll, SPD.

Aber die Olympiade der Peinlichkeiten geht noch weiter: In Reinickendorf wird die SPD bekanntlich regiert vom Ehemann der Senatorin, Jörg Stroedter (Geschäftsführender Kreisvorstand), der in der Innenverwaltung ein- und ausfährt, seit seine Frau dort Chefin ist. Seine Beisitzerin in Reinickendorf ist eben jene Böcker-Giannini, die nun ihren Job als Staatssekretärin los ist.

Doch auch in Reinickendorf begeistert das nicht alle: Der Ortsverein Heiligensee-Konradshöhe-Tegelort (sic!), ehemals Stroedters Abteilung, hat nun per Mehrheitsbeschluss die Art und Weise der Entlassung missbilligt, wörtlich: „Es ist ein politischer Schaden für die Reinickendorfer und die Berliner SPD entstanden.“ Dem Vernehmen nach war Stroedter bei der Abstimmung sogar anwesend, konnte den Beschluss aber nicht verhindern.