Berlin erfindet den Nasenlolli-Test

Wattestäbchen in die Nase statt in den Mund: So sollen die kindgerechten „Lolli-Tests“ zum Einsatz kommen, damit sie Corona besser erkennen. Aus dem Checkpoint. Von Anke Myrrhe

Berlin erfindet den Nasenlolli-Test
In diesem Kindergarten wird noch klassisch auf das Coronavirus getestet. Foto: Peter Kneffel/picture alliance/dpa

Und damit sind wir mit einem Tusch zurück in den Untiefen der deutschen Pandemiepolitik. Mehr als 3.000 Unterschriften übergaben Eltern gestern im Roten Rathaus und forderten damit mehr Infektionsschutz an Schulen und Kitas. Um letztere besuchen zu dürfen, schieben Eltern bekanntlich mindestens drei Mal in der Woche ihren Kindern ein Wattestäbchen in den Mund (die Bezeichnung „Lolli“ führte nicht unbedingt zur größeren Akzeptanz beim Nachwuchs). „Mit der Einführung von Antigen-Lollitests reagiert das Land auf die Forderung nach kindgerechten Tests“, wiederholte Martin Klesmann, Sprecher der Bildungsverwaltung gestern. Kinderleicht – nur leider nicht funktionstüchtig.

Mehrere Kitaträger berichten von sehr vielen Fällen, in denen die Tests trotz nachgewiesener Infektion nicht angeschlagen hätten. Der Dachverband Berliner Kinder- und Schülerläden spricht von 50 solcher Rückmeldungen. „Viele Eltern machen die Erfahrung, dass Nachtestungen mit anderen Produkten eine Infektion zu Tage fördern, während der Lolli-Test negativ war“, sagt Dorothee Thielen vom Paritätischen. „Wir empfehlen Eltern, sich trotz der manchmal sicherlich turbulenten Morgensituation ausreichend Zeit für die Testung zu nehmen, oder das Testprodukt nasal einzusetzen.“

Das nämlich ist die einfache Lösung – wenn auch mit weniger Lutschgenuss. Es kommentiert Tagesspiegel-Wissenschaftsredakteur Sascha Karberg: „Diagnosetechnisch macht es keinen wesentlichen Unterschied, welchen virushaltigen Schleim man auf den Teststreifen kippt.“ Berlin erfindet den Nasenlolli. Wenn das nicht mal 'ne positive Nachricht ist.