Berlins Innenverwaltung sieht keinen Zusammenhang: Ampel am Fehrbelliner Platz war vor Horrorunfall 105 Stunden außer Betrieb

Erst zog die Polizei ab, dann krachte es am Fehrbelliner Platz und sechs Menschen verletzten sich schwer. Obwohl die Ampeln zuvor mehrfach ausfielen, bezweifelt die Verwaltung eine Verbindung. Von Lorenz Maroldt.

Berlins Innenverwaltung sieht keinen Zusammenhang: Ampel am Fehrbelliner Platz war vor Horrorunfall 105 Stunden außer Betrieb
Ein Verkehrspolizist regelt den Verkehr am Fehrbelliner Platz. / Foto: dpa/Annette Riedl

Nach dem Horrorunfall am Fehrbelliner Platz (drei Autos, ein lebensgefährlich Verletzter, fünf Schwerverletzte) waren die Behörden bemüht, die Bedeutung des vorherigen Ampelausfalls herunterzuspielen. Dem Checkpoint liegt dazu exklusiv eine Datenauswertung der Verkehrsverwaltung vor. Demnach gab es von der Anlage an dieser gefährlichen Kreuzung allein in den vier Wochen bis zum Crashtag acht Fehlermeldungen, davon sieben Totalausfälle. Die Störungen summieren sich in dieser Zeit vom Eingang der Meldung bis zur Behebung auf exakt 104 Stunden und 59 Minuten – die besondere Gefahr war den Behörden also bekannt.

Der Unfall geschah um 19.30, kurz nachdem die Polizei dort ihre Ampelersatzarbeit eingestellt hatte – „die grundsätzlich festgelegte Regelungszeit bis 19 Uhr“ war abgelaufen, schreibt dazu Staatssekretärin Claudia Elif Stutz. Mit anderen Worten: Feierabend. Dabei ist bekannt, dass hier vor allem am Abend, wenn der Berufsverkehr nachlässt, gerne mal zügig über die Kreuzung gefahren wird. Zudem war es dunkel und regnerisch, also zumindest unübersichtlich. Einen Zusammenhang des Unfalls mit dem Ampelausfall sowie dem Polizeiabzug vermag Stutz nicht zu erkennen („Auf die hypothetische Frage ist dem Senat eine belastbare Antwort nicht möglich“). Mit Blick auf die fast 105 Ausfallstunden allein im Dezember ist es allerdings eher ein Wunder, dass es dort nicht schon früher gekracht hat.

Warum die Ampelanlage hier ständig defekt war, ist unklar: „Die einzelnen Ausfallgründe konnten von der für die Endstörung (sic!) zuständigen Signalbaufirma nicht konkret benannt werden“, soviel immerhin weiß der Senat (DS 19/17810, noch unveröffentlichte Anfrage von MdA Stefanie Bung).

Was dagegen klar ist: Ampelausfälle gibt’s in Berlin täglich im Dutzend. Hier dazu noch ein tieferer Blick auf die Datenauswertung der Verkehrsverwaltung:

Am Stichtag 15.1.2024 wurden 544 Störungen an Lichtsignalanlagen gemeldet, die meisten davon in Mitte (85), Tempelhof-Schöneberg (67) und Friedrichshain-Kreuzberg (61). Seit dem 1. Oktober 2023 gab es 809 Komplettausfälle, die meisten davon: in Charlottenburg-Wilmersdorf (108) – also in dem Bezirk, in dem am 2. Januar der schwere Unfall vom Fehrbelliner Platz geschah.