Deutsche Bahn kündigt Kult-Lokal: Legendäre Berliner Fischbude wird verdrängt

Über drei Jahrzehnte war „Ergüns Fischbude“ Kult in Moabit. Doch die Bahn will den Mietvertrag unter den S-Bahn-Bögen nicht verlängern. Nun will die Inhaberin an einem neuem Ort weitermachen. Von Robert Ide.

Deutsche Bahn kündigt Kult-Lokal: Legendäre Berliner Fischbude wird verdrängt
Credit: Ergüns Fischbude

Sie ist das Stammlokal für das coole Berlin, wenn es mal Lust auf frischen Fisch hat, aber nun soll es einfach Leine ziehen: Ergüns Fischbude unter den S-Bahnbögen in Moabit wird nach 30 legendären Jahren verdrängt; die Bahn wollte den Mietvertrag überraschend nicht verlängern. „Das Restaurant war wie ein Baby für meinen verstorbenen Vater“, erzählt Inhaberin Mine Çetinbaş am Checkpoint-Telefon. „Hier hat er viel gekämpft, hier bin ich aufgewachsen, bis der Laden dann mein Baby wurde.“ Die 44-Jährige leitet die urige Fischbude mit den frischen Spezialitäten an rustikalen Tischen. Wenn auf dem Viadukt die S-Bahn drüber hinwegrattert, wackeln die mit Fotos und Briefen vollgepflasterten Wände. Benannt ist das Lokal in der Lüneburger Straße nach Gründer Ergün Amca, der 1969 als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen war und sich hier einen Lebenstraum erfüllt hatte.

Ende Januar muss nun der auch von außen strahlend bunte Laden geräumt sein, „die Bahn hat da überhaupt nicht mit sich reden lassen, es war ganz schlimm, wie stur die waren“, erzählt Çetinbaş. Gegenüber der Wirtin wurden Brandschutzgründe für die Kündigung angegeben, der Konzern möchte sich auf Nachfrage „nicht öffentlich dazu äußern“. Doch Mine Çetinbaş kämpft weiter, wenn auch bald an einem anderen Ort. „Wir haben in Rudow hoffentlich was Neues gefunden“, erzählt sie. „Aber der alte Name und das ganze Design sollen bleiben. Denn dies war das Leben meines Vaters.“

Am 31. Dezember soll unterm Viadukt noch einmal zusammen Silvester gefeiert werden, danach zieht die Fischbude weiter. Berlins einstmals spannender Innenstadtrand bleibt um eine Institution ärmer zurück.