Doppelter Bahnwahnsinn

Kommen wir zu noch mehr Chaos

Bahnwahnsinn I: Einmal Amsterdam-Berlin mit Nacht in Hamburg, bitte. Pah! Die Bahngötter lachen mich aus, als ich Ende Juli am Bahnhof stehe: Nüscht fährt da, Zug fällt aus. Also ab in die Ersatzbahn, von dort von Regio zu Regio – sieben Mal steige ich um. In Bremen die Hiobsbotschaft, in Hamburg wird ‘ne Bombe entschärft, wir stehen. 160 Minuten zu spät rolle ich in die Hansestadt. Dafür krieg’ ich Geld zurück, sagt der Fahrer. Also Formular zur Bahn geschickt – gestern kommt die Antwort: Sorry, wir sehen keine Verspätung. Au contraire, Sie sind 1272 Minuten zu früh gekommen! 1272 Minuten?! Zu FRÜH? Ich rufe den Service an und lasse eine Tirade los. Die Dame muss selbst lachen. Sie versichert die Rückzahlung meines halben Tickets – und warnt: „’Tschuldigung, aber das kann nochmal drei Wochen dauern.

Bahnwahnsinn II: Aus Gründen, die Sie ahnen, bin ich Ende August erstmals Flixtrain gefahren. Strecke Berlin-Frankfurt, hier muss es doch besser sein. Jugendlicher Leichtsinn! Mit dem Charme einer Easyjet-Kabine und einer Stunde Verspätung am Hauptbahnhof tuckert der Zug durch die Provinz – und kommt alle paar Meter zum Stillstand, während ICEs an uns vorbeirauschen. Beim fünften Mal sagt die Schaffnerin: „Ganz ehrlich, der Grund, dass wir stehen, ist mir unerklärlich. Die Deutsche Bahn gibt unsere Signale.“ Die lasse lieber ihre eigenen Züge vor – stimmt das, liebe Bahn? Nein, wehrt sich ein Pressesprecher auf Checkpoint-Anfrage: Auf dem Netz seien alle Züge gleichberechtigt. Ein Polizeieinsatz in Halle gibt dem Flixtrain den Rest: Wir sind 2,5 Stunden zu spät. Nächstes Mal lauf’ ich. 

Wer bietet mehr? Ihre saftigste Bahnverspätung (mit Geschichte!) bitte an checkpoint@tagesspiegel.de.