Von der Alten Försterei bis zur Waldbühne: Berlins Veranstaltungsorte sind nur wenig barrierefrei

Ein Prozent der Plätze auf Veranstaltungen sollte eigentlich Rollstuhlfahrern vorbehalten sein. Diese Quote wird aber kaum eingehalten – mit einer Ausnahme. Von Daniel Böldt und Thomas Lippold

Von der Alten Försterei bis zur Waldbühne: Berlins Veranstaltungsorte sind nur wenig barrierefrei
Ein Rollstuhlfahrer sitzt im Publikum bei einem Konzert. (Symbolbild) Foto: Imago/Cavan Images

In der vergangenen Woche berichteten die Kolleg:innen der taz von Roland Mandel, der 2019 ein Ticket für den Auftritt der Band Pearl Jam in der Waldbühne kaufte. Mittlerweile nutzt Mandel einen Rollstuhl, weswegen ihm der Veranstalter den Konzertbesuch verwehren wollte. Grund: Die 12 Plätze für Rollstuhlnutzer:innen waren schon vergeben. Mandel schaffte es schließlich mit viel Beharrlichkeit doch noch zum Konzert (und sogar auf die Bühne), das generelle Problem aber bleibt: Gerade mal 0,05 Prozent der Plätze in der Waldbühne sind rollstuhlgeeignet. Obwohl die „Verordnung über den Betrieb von baulichen Anlagen“ eine Ein-Prozent-Quote für Rollstuhlplätze vorschreibt.

Nicht viel besser sieht es bei anderen Berliner Veranstaltungsorten aus, wie eine Checkpoint-Recherche zeigt: In der Wuhlheide sind rund 0,1 Prozent der Plätze für Rollstühle geeignet, ebenso in der Max-Schmeling-Halle (laut Webseite gibt es „mindestens 16“ Rollstuhlplätze bei einer Kapazität von maximal 11.900). Knapp dran ist man in der Mercedes-Benz-Arena (0,76 Prozent), im Velodrom schafft man die Ein-Prozent-Quote und bei Bedarf sogar mehr, wie eine Sprecherin mitteilt.

Auf viele Barrieren trifft man dagegen in den größten Fußballstadien Berlins. Im Olympiastadion sind 0,22 Prozent der Plätze für Rollstuhlnutzer:innen reserviert, in der Alten Försterei gerade einmal 0,15 Prozent. Während die Olympiastadion Berlin GmbH darauf verweist, dass die entsprechende Verordnung die Ein-Prozent-Quote nur in Zusammenhang mit „Versammlungsräumen“ nennt (was zwar stimmt, aber im Sinne der Barrierefreiheit ein eigenartiges Argument ist), gibt Union-Sprecher Christian Arbeit immerhin zu, dass die Zahl der Plätze für Rollstuhlfahrer nicht „bedarfsgerecht“ sei. Lichtblick: Sowohl im Olympiastadion als auch in der Alten Försterei soll die Anzahl der Rollstuhlplätze in Zukunft erhöht werden.