„DDR konnte nur im Schutz sowjetischer Panzer bestehen“: Ost-Beauftragter begrüßt Einordnung der DDR als „kommunistische Diktatur“

Man solle an die gemeinsamen Erfahrungen im sowjetischen Herrschaftsraum erinnern, fordert Schneider. Die Direktorin der Stiftung Aufarbeitung hatte zuvor eine Neubewertung der DDR angeregt. Von Robert Ide.

„DDR konnte nur im Schutz sowjetischer Panzer bestehen“: Ost-Beauftragter begrüßt Einordnung der DDR als „kommunistische Diktatur“
Foto: dpa/Martin Schutt

Je länger die DDR untergangenen ist, desto mehr ersteht sie wieder auf – zumindest in nicht wenigen Köpfen und in vielen Bücherregalen des Landes. Während Bestseller wie Katja Hoyers „Diesseits der Mauer“ und Dirk Oschmanns „Der Osten – eine westdeutsche Erfindung“ durch ein weichgezeichnetes Bild der Diktatur die Nostalgie befördern oder ohne selbstkritische Töne „dem Westen“ eine Art Kollektivschuld für die schwierige Einheit geben, tobt längst schon die nächste Deutungsdebatte: Wie soll die DDR eigentlich historisch eingeordnet werden?

Angeregt von Anna Kaminsky, Direktorin der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, im Checkpoint nimmt nun auch die Frage politisch an Fahrt auf, ob der Begriff der SED-Diktatur nicht gar zu kurz gegriffen ist. Gerade mit Blick auf die blutigen Anfangsjahre der DDR mit dem niedergewalzten Volksaufstand am 17. Juni 1953 und auf die Prägung der anderen osteuropäischen Staaten spricht sich die Stiftung auch beim eigenen Namen für den Begriff kommunistische Diktatur aus – und stößt damit in der Bundesregierung auf Zustimmung. „Die Diktatur in der DDR konnte, wie in anderen Staaten im kommunistischen Herrschaftsraum, von Beginn an nur im Schutz sowjetischer Panzer bestehen“, sagt der Ost-Beauftragte der Bundesregierung Carsten Schneider (SPD) nun dem Tagesspiegel.

Schneider, der auch im Stiftungsrat der Bundesstiftung Aufarbeitung sitzt, zieht Parallelen zur Gegenwart. „Russland beansprucht heute wieder mit militärischer Gewalt einen eigenen Herrschaftsraum. Gerade in den mittel- und osteuropäischen Staaten ist es deshalb wichtig, an die gemeinsame Diktaturerfahrung und an die notwendige Solidarität der Demokratien zu erinnern.“ Zur Wahrheit, wer wir heute sind, gehört die Ehrlichkeit, wer wir damals waren. Gerade im einst gewaltsam geteilten Berlin.