Spitzenkandidat für Berlin-Wahl 2026: Was sich die SPD von Steffen Krach verspricht
Der ehemalige Wissenschaftsstaatssekretär Steffen Krach soll die SPD in die nächste Berlin-Wahl führen. Parteiintern gilt er als Konsensfigur und Gegenentwurf zu Giffey und Saleh. Von Lorenz Maroldt.
Der Checkpoint nannte ihn einst „den besten Senator, den Berlin nie hatte“ – die Rede ist von Steffen Krach, früher Wissenschaftsstaatssekretär, heute Regionspräsident in Hannover. Seit Wochen fällt in Berlin sein Name, wenn es um mögliche Spitzenkandidaten der SPD für die Abgeordnetenauswahl im kommenden Jahr geht. Er ist einer derjenigen, die von den Parteivorsitzenden Martin Hikel und Nicola Böcker-Giannini gefragt wurden, ob er antreten würde. Und seit dem Wochenende ist nun klar: Krach wird auch vom Umfeld des Fraktionsvorsitzenden Raed Saleh unterstützt. Bereits Anfang dieser Woche sollen die letzten offenen Punkte geklärt sein.
Für Krach spricht aus Sicht der SPD:
+ Er ist in der Berliner Politik hoch angesehen.
+ Er hat gezeigt, dass er Wahlen gewinnen kann.
+ Er vereint als interner Kandidat von außen unterschiedliche Profilerwartungen.
+ Im diffizilen und streitbaren Parteigefüge der SPD gilt er als Konsenskandidat.
+ In der Bundespolitik hat Krach gute Kontakte, vor allem zum SPD-Vorsitzenden Lars Klingbeil und zu Fraktionschef Matthias Miersch.
+ Trotz seines politischen Wechsels nach Hannover hat Krach seine privaten Verbindungen in Berlin aufrechterhalten.
+ Krach ist in der breiten Berliner Öffentlichkeit zwar weitgehend unbekannt, aber das wird in Führungskreisen der SPD inzwischen sogar eher als Vorteil angesehen: Der Wunschkandidat der Parteivorsitzenden gilt als unbelastet, zugewandt, einnehmend und erfahren – und könnte so glaubwürdig einen Neustart für die SPD repräsentieren.
+ Alles in allem werden Krach im Vergleich mit den anderen zuvor gehandelten Kandidatinnen und Kandidaten die größeren Chancen auf einen Wahlerfolg zugebilligt.
Doch bevor es endgültig heißt: „SPD lässt Krach von der Leine“, sind noch einige Fragen zu klären – und auch Befindlichkeiten zu bedenken, in Hannover und in Berlin. Mit Indiskretionen wird Politik gemacht, aber manchmal eben auch zunichte gemacht:
Franziska Giffey hatte sich Chancen ausgerechnet, bis die Vorsitzenden ihr mitteilten, dass sie einen anderen Kandidaten vorziehen werden – ohne ihr zu sagen, welchen.
Raed Saleh hatte sich Chancen ausgerechnet, bis der „Betonflügel“ der Partei wegen dessen Vergesellschaftungs-Ideen den Daumen senkte. Nach einem Gruppengespräch mit dem Fraktionsvorsitzenden stellte der immer noch einflussreiche Ex-Bausenator Peter Strieder in einer internen Mail fest, dass man hier nichts von einer Kandidatur Salehs halte.
Auffällig ist jedenfalls: Unter den Unterzeichnern des „Weckrufs“, den frühere Regierende Bürgermeister, Senatoren und Staatssekretäre als Ausdruck ihrer Unzufriedenheit mit der Berliner SPD (und u. a. auch mit dem Vergesellschaftungskurs) unterzeichnet haben, sind neben Strieder auch Michael Müller und Jürgen Zöllner, die beide jahrelang eng mit Krach zusammengearbeitet haben – und ihn stets in den höchsten Tönen lobten.
Übrigens: Stand heute käme Fußballfan Krach als Spitzenreiter nach Berlin – sein Lieblingsverein Hannover 96 führt die Tabelle an, wenn auch nur die der zweiten Liga (Hertha ist hier nach dem 0:0 in Darmstadt Vorletzter, aber, wie unser Kolumnist Frank Lüdecke von den Stachelschweinen schreibt: „Unterm Strich haben wir nach drei Spieltagen in der Tabelle schon mal eine Mannschaft hinter uns gelassen. Na, wer sagt’s denn?!“. Anzumerken bleibt: Union ist eine Etage drüber punktgleich mit Spitzenreiter Bayern München auf Platz 5 – nur das schlechtere Torverhältnis …).
So, und damit zur Liste unserer Checkpoint-Sommerhits – zur Auswahl standen heute, dem Spitzenkandidatenthema angemessen, u. a. folgende Titel:
+ „Satellite“ von Lena Meyer-Landrut (kommt aus Hannover)
+ „Time to Wonder“ von Fury in the Slaughterhouse (kommen aus Hannover)
+ „Wind of Change“ von den Scorpions (kommen aus Hannover)
+ „Hol mir mal 'ne Flasche Bier“ von Gerhard Schröder (kommt aus Hannover, Remix von Stefan Raab)
+ „Wieder hier“ von Marius Müller-Westernhagen (war auch schon mal in Hannover)
+ „Should I Stay Or Should I Go“ von The Clash (hatten öfter mal einen Hangover).
Hit des Tages kann nach Lage der Dinge allerdings nur ein Song sein:
+ „Ich hab‘ noch einen Koffer in Berlin“ von Hildegard Knef – demnächst vielleicht auch als Bootleg in der Fassung von Schlagerfan Steffen Krach im Handel.