Woidke auf Bustour durch Brandenburg
Dietmar Woidke ging gestern auf Bustour durch Brandenburg, jährlicher Termin, um die Schönheit des Landes zu vermarkten, mal durchatmen in pharmaverseuchten Zeiten. Doch der ländliche Friede hielt nicht mal bis zum Potsdamer Ortsausgang: erste Station Fontane-Archiv, erste Vitrine: Approbationsurkunde für Theodor Fontane zum Apotheker erster Klasse (1847). „Ein Großhändler war er ja nicht“, sagte der SPD-Ministerpräsident und übte sich dann in der Disziplin: Wie sagen, dass Linken-Ministerin Golze nach dem Skandal um womöglich unwirksame Krebsmedikamente zurücktreten wird, ohne zu sagen, dass sie zurücktreten wird? „Es kann sein, dass das Kabinett Ende August anders aussieht als heute.“
Alles hängt von den Linken ab, mit denen Woidke regiert. Deren starker Mann Christian Görke, Finanzminister und Ex-Parteichef, ist gerade im Urlaub in Ägypten. Als der das letzte Mal im Urlaub war, wurde die Kreisreform abgesagt. Und im Jahr davor? Da musste Görke seinen Türkei-Urlaub abbrechen, weil Linken-Justizminister Helmuth Markov, sich um den Transport seines Motorrades mit einem Fahrzeug des Landesfuhrparkes verhedderte. Görke kam zurück, Markov trat zurück. Diesmal geht es um viel mehr als nur ein Motorrad – diesmal geht es um Leben und Tod. Trotzdem wird Woidkes Vize wohl zumindest zu Ende urlauben dürfen, sein Chef will, so viel Stil muss sein, den Experten-Abschlussbericht zum Pharmaskandal Ende August abwarten. Am Ergebnis, so die Einschätzung meines Kollegen Thorsten Metzner, ändert das nichts. Golze wird zurücktreten – und Görke darf wahrscheinlich nie wieder Urlaub machen.