Umstrittener Förderverein distanziert sich nicht von Rechten: Humboldt Forum verlangt Statement gegen Extremismus und kündigt Konsequenzen an
Ach, was heißt schon rechtsextrem? Der „Förderverein Berliner Schloss“, der Spenden für die Fassade des Humboldt Forums sammelt, will das nicht so genau wissen. Er weigert sich, sich von rechten oder rechtsextremen Spendern in seinen Reihen zu distanzieren. Nun will das Humboldt Forum Konsequenzen ziehen: Spenden des umstrittenen Vereins will es künftig nur noch annehmen, wenn es die Namen der Geldgeber vom Verein erfährt. Aber eines nach dem anderen. Was ist los?
Im „Tagesspiegel“ wurde 2021 bekannt, dass ein Großspender, Erhardt Bödecker, rechtsradikale Positionen vertrat, die „Süddeutsche Zeitung“ machte weitere rechte Spender publik. Doch der Verein distanziert sich von ihnen nicht. Ein Blick ins Vereinsmagazin (Mai 2022) zeigt das deutlich: „Wir bekennen uns ohne jede Einschränkung zu unseren Spendern“, schreibt Vereins-Geschäftsführer Wilhelm von Boddien. Auch Vorsitzender Richard Schröder erkennt offenbar kein Problem in Spenden Rechtsextremer; sowieso: „Die Begriffe „‘rechtslastig’ und ‚rechtsextrem’ sind viel zu schwammig für ein Ausschlusskriterium”.
Hinter der barocken Fassade ist man not amused und zieht Konsequenzen. Abgesehen davon, dass man fortan die Namen der Spender genannt bekommen möchte, um auszuschließen, dass sie „unseren grundlegenden Werten nicht widersprechen“, erwarte man vom Förderverein, dass er sich „von extremistischen und demokratiefeindlichen Positionen distanziert“. Das sagte Stiftungssprecher Michael Mathis dem Checkpoint.
Aber wie fragwürdig ist der Verein? Er versteht sich offenbar als Hüter der Meinungsfreiheit. Im Magazin geht es um den „Schutz der Meinungsfreiheit”, man warnt vor „Gesinnungsüberprüfung“ und kreidet „postkoloniale Selbstgefälligkeit” an, spricht von „Kulturkampf” und appelliert: „Schloss und Humboldt Forum dürfen nicht zur Plattform totalitärer Ideologien werden” (Spoiler: gemeint ist nicht die rechtsextremistische). Checkpoint-Urteil: Komplett unauffällig! Übrigens: Kennen Sie „dog whistling“? Das ist, wenn in politischen Kontexten eine nicht ganz eindeutige, aber für Anhänger einer Strömung oder Szene gut erkennbare Sprache verwendet wird. So kann der Sprechende Signale an eine Gruppe senden und gleichzeitig plausibel leugnen, sich mit ihr zu identifizieren. Und muss nicht zugeben, dass seine Worte an gerade dieses Publikum gerichtet sind.