Umfrage von „Aktion Mensch“: Mobbing an Berliner Schulen wird häufig nicht erfasst
Fast die Hälfte aller Jugendlichen haben laut der Studie bereits Mobbingerfahrungen gemacht, vor allem in der Schule. Der Bildungsverwaltung liegen aktuell keine Zahlen vor, da es mehrere Jahre lang keine Beauftragten für die Thematik gab. Von Robert Ide und Valentin Petri.
Weiterhin viel Stress miteinander haben Jugendliche auf den Schulhöfen. So kommt die neue, repräsentative Mobbing-Befragung der Hilfsorganisation „Aktion Mensch“ zu schockierenden Ergebnissen. Fast die Hälfte aller Jugendlichen haben demnach bereits Mobbingerfahrungen gemacht, bei Jugendlichen mit Behinderung sind es sogar drei Viertel der Befragten.
Haupttatort bleibt weiterhin die Schule. Eine Checkpoint-Anfrage an die Bildungsverwaltung hält die nächste Ernüchterung bereit. Denn der Senat verfügt derzeit über keinerlei Daten zum Mobbing in Berlin, weil die beiden Stellen der Anti-Mobbing- und der Anti-Diskriminierungs-Beauftragten über mehrere Jahre unbesetzt geblieben waren. „Durch die mehrjährige Vakanz liegen aktuell keine eigenen Erhebungen oder belastbaren Zahlen für Berlin vor“, schreibt Bildungssprecher Martin Klesmann. Dennoch nehme die Verwaltung das Thema „sehr ernst“.
Betroffenen wird geraten, sich mit Beschwerden und Hinweisen an die nun besetzten Hilfsstellen zu wenden. „Jede Meldung wird vertraulich behandelt.“ Doch das Problem ist ein ganz anderes, wie die Befragung der „Aktion Mensch“ aufzeigt. Fast 80 Prozent der betroffenen Jugendlichen sprechen selten oder nie über ihre Mobbing-Erfahrungen. Sie verspüren Angst und Scham. Zeit, dass die Bildungsverwaltung dieses so wichtige Thema endlich selbst sichtbarer, hörbarer und damit gesellschaftlich spürbarer macht.