Briefkasten-Werbung von Ex-Polizeipräsidenten – Berliner CDU rechtfertigt sich
Mit einem Brief warb Ex-Polizei-Vizechef Gerd Neubeck für CDU-Mann Thomas Heilmann – und verärgerte damit viele Anwohner. Die Partei verteidigt nun die Kampagne. Von Anke Myrrhe
Nicht allen recht gemacht hat es Thomas Heilmann mit seiner (nicht als solcher gekennzeichneten) Wahlwerbung in Steglitz-Zehlendorf (CP von gestern). Zu kaum einem anderen Thema erreichten uns in den vergangenen Monaten so viele Beschwerden wie zu dem Brief, in dem der ehemalige Polizeivizepräsident Gerd Neubeck in Schreibmaschinen-Optik dazu aufruft, Heilmann die Erststimme zu geben („Auch wenn Sie mit der Zweitstimme nicht seine Partei, die CDU, wählen möchten“). In der CDU gibt es für den Unmut kein Verständnis: „Testimonial-Kampagnen, also Wahlempfehlungen durch Dritte, sind seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil von Wahlkämpfen und Wahlwerbung“, sagt Generalsekretär Stefan Evers: „Insofern ist der Unterstützungsbrief für Thomas Heilmann weder besonders überraschend, noch zu kritisieren.“
Besonders überraschend war für viele Menschen, dass der Brief mit persönlicher Anrede samt Anschrift im Briefkasten landete. „Der Versand lief über die Partei“, sagt Heilmanns Sprecherin Mareen Theil. „Herr Neubeck hatte nie Zugriff auf die Daten und die werden auch nur für diesen Zweck verwendet und wieder gelöscht, so wie es die Meldebehörde vorgibt.“ Die Darstellung der Morgenpost, eine Agentur habe den Brief erstellt, stimme übrigens nicht: „Herr Neubeck hat den Brief selbst geschrieben und hat uns das Dokument so übermittelt, es gab keine Werbeagentur“, sagt Theil. „Herr Neubeck unterstützt Herrn Heilmann schon seit längerer Zeit.“
Überhaupt wirkt man auch hier eher happy über die ganze Aktion: „Wir kriegen viele positive Rückmeldungen, die wenigen negativen kann man deutlich im gegnerischen politischen Spektrum verorten.“ Na, dann ist ja alles gut – oder?