Die Stasi-Akten gehen ins Bundesarchiv

Sie sind ein Schatz der Ostdeutschen, vergiftet und wertvoll zugleich. Nun hat der Bundestag beschlossen: Die Stasi-Akten bleiben zugänglich. Ein Kommentar. Von Robert Ide

Die Stasi-Akten gehen ins Bundesarchiv
Foto: Patrick Pleul/dpa

Sie sind ein Schatz der Ostdeutschen, ein vergifteter und dennoch wertvoller: 180 Kilometer verstaubtes und zum Teil immer noch zerrissenes Papier voller bürokratischer Registraturen und Geheimnamen, gleichzeitig voller Details schmutzigen Verrats und geplanter Erniedrigung: die Stasi-Akten.

Die Unterlagen sind ein Teil des kleinen kollektiven Erbes, das sich Ostdeutschland selbst erobert hat – durch die Besetzung der Stasi-Archive nach dem Mauerfall und die weltweit einmalige Öffnung der Akten einer Geheimpolizei für die Öffentlichkeit. Schon das war eine friedliche Revolution. Nun gehen die Stasi-Akten ins Bundesarchiv über und bleiben dort zugänglich wie bisher. Das hat der Bundestag am Donnerstag beschlossen. Die Revolution wird vererbt.

Roland Jahn, einst als DDR-Oppositioneller verfolgt und aus seiner Heimat rausgeworfen, wird als letzter Stasi-Akten-Beauftragter des neuen Deutschlands in die Geschichte eingehen. Der 67-Jährige hat stets betont, er wolle die Verantwortung zur Bewahrung der Geschichte weitergeben an die nächste Generation. Der Bundestag soll künftig einen Opferbeauftragten für die DDR-Diktatur bestimmen. Dieser muss versöhnend aufarbeiten, den Opfern eine stärkere, bestärkende Stimme geben und auf moderne Weise aufklären: über das Gift einer totalitären Geheimpolizei und das Erbe eines demokratischen Aufbruchs.

Jahn sagt es so: „Aus dem Bundesbeauftragten für die Akten wird ein Bundesbeauftragter für die Menschen.“ Für die jüngeren Menschen muss dieser Mensch vor allem eines tun: ihnen auf eine neue Art nahebringen, was im Gestern war. Um im Heute für das Morgen zu lernen.