Wegner will Gendern abschaffen – oder etwa doch nicht?

Bleiben wir noch einen Moment bei unserer Matheaufgabe – ist Ihnen da etwas aufgefallen? Nein? Ok, Auflösung: Sie war nicht ganz leicht zu verstehen, obwohl hier kein einziger Genderstern den Lese- und Gedankenfluss unterbrach. Warum das bemerkenswert ist? Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner hat in der „Bild am Sonntag“ dazu Folgendes gesagt:
 
„Ich habe noch keinen Brief in Gendersprache unterschrieben. Mir ist wichtig, dass die Sprache der Verwaltung verständlich ist. Jeder kann privat sprechen, wie er möchte. Aber ich möchte gern das Deutsch sprechen, das ich in der Schule gelernt habe und das alle verstehen. Wir erwarten ja auch von Menschen, die nach Deutschland kommen, dass sie Deutsch lernen, und gerade die Behörden sollten es ihnen nicht unnötig schwer machen.“
 
Die dpa machte daraus eine Meldung, die der RBB so interpretierte: „Kai Wegner hat angekündigt, dass es in der Verwaltung künftig keine Gendersprache mehr geben wird.“ Auch der „Spiegel“ folgerte flugs: „Berliner Verwaltung verzichtet künftig auf Gendersprache“.
 
Tatsächlich aber entspricht der Interviewsatz dem Motto des neuen Senats, so wie es Klaus Wowereit vorgegeben hat und wie es Kai Wegner ausdrücklich gefällt, nämlich: „schwarz, aber schillernd“. Also dunkel raunend und nicht ganz klar. Um die Aufregung, die aufs Stichwort „Gendern“ auch am heiligen Sonntag verlässlich ausbrach, zu rechtfertigen (auch Franziska Giffey stimmte ein), fehlt aber das Entscheidende: eine echte Ankündigung, dass es in der Berliner Verwaltung künftig keine Gendersprache mehr geben wird. Dem Tagesspiegel sagte Wegner gestern dann auch: „Mir geht es nicht um Verbote. Es wird auch keine Rückabwicklung in der Berliner Verwaltung geben.“ Na, mal abwarten, was der Rat der Bürger*innenmeister*innen dazu sagt.