Jetzt ist die perfekte Zeit, um Handwerker zu holen
Viele Handwerker dürfen arbeiten, kämpfen aber mit Stornierungen. Im Checkpoint-Interview erklärt Kammerpräsidentin Carola Zarth, wie es den Betrieben geht. Von Lorenz Maroldt
Ich bräuchte übrigens mal einen Elektriker, und auch sonst wäre hier einiges zu tun. Normalerweise sind die Wartezeiten lang, das Handwerk hat gut zu tun – aber was ist heute schon normal. Wäre das vielleicht gerade jetzt die richtige Zeit für einen Auftrag? Und was ist dabei zu bedenken, was ist erlaubt? Das und einiges mehr habe ich gestern Handwerkskammer-Präsidentin Carola Zarth gefragt – hier Ihre Antworten:
Wie sehr trifft Corona das Handwerk?
Ungeschoren bleibt niemand. Aber das Handwerk ist sehr unterschiedlich durch die aktuelle Situation betroffen: Friseure und Kosmetikerinnen können wegen des Kontaktverbots gar nicht arbeiten. Goldschmiedinnen und Fotografen können zwar in ihren Werkstätten arbeiten, aber keine Produkte im Einzelhandel verkaufen. Installateure und Elektriker können ihre Leistungen mit den notwendigen Sicherheitsvorkehrungen anbieten, aber die Kunden sind durch das Virus verunsichert und stornieren Aufträge. Gerüstbauer und andere Bauhandwerker können und wollen arbeiten, bekommen aber mitunter durch die ausgedünnte Verwaltung nicht die notwendigen Genehmigungen…
Wie zufrieden ist die Handwerkskammer mit den Berliner Hilfsprogrammen?
Wir haben großen Respekt vor dem, was insbesondere in der IBB geleistet wird. Die Vergabe der Zuschüsse an die kleinen Betriebe und Soloselbständigen in der ersten Runde lief beeindruckend – wir haben viele Rückmeldungen erhalten, in denen insbesondere gelobt wurde, wie schnell die Gelder tatsächlich auf den Konten eingegangen sind. Dass Berlin gleich zu Beginn Landes- und Bundeshilfe gekoppelt hat, war eine sehr gelungene Maßnahme. Hut ab! Nun startet am Montag die zweite Welle mit der Vergabe der Bundesmittel. Natürlich hoffen und wünschen wir, dass dann auch Betriebe mit mehr als zehn Beschäftigten in den Genuss von Zuschüssen gelangen.
Was kann der Senat noch tun, um den Betrieben jetzt zu helfen?
Jetzt kommt es darauf an, schnell und zielgerichtet zu handeln, denn den Betrieben läuft die Zeit davon! Rechnungen für geleistete Arbeit muss die öffentliche Hand jetzt rasch begleichen. Es kann nicht sein, dass den Betrieben hieraus Liquiditätsengpässe entstehen. Aufträge müssen zügig vergeben werden, und wo bereits gearbeitet werden kann, muss dieses auch möglich sein. Notwendige Genehmigungen müssen jetzt schnell erteilt werden! Natürlich ist in der jetzigen Situation die Abstimmung untereinander herausfordernder, da mitunter dezentral und im Homeoffice gearbeitet wird. Aber jetzt ist auch die Stunde, in der wir – Betriebe und Verwaltung – gemeinsam die Stadt am Laufen halten müssen! Und dafür müssen wir verhindern, dass unsere Wirtschaft auch noch ohne Not Schaden nimmt.
Handwerker zu finden, war oft schwierig. Ist es vielleicht gerade jetzt die richtige Zeit, Aufträge zu vergeben?
Ein klares Ja! Unsere Handwerkerinnen und Handwerker möchten arbeiten – und Sie können dieses auch unter Einhaltung der Sicherheits- und Hygienestandards tun. Daher ist mein Appell an die Berlinerinnen und Berliner: Sprechen Sie die Betriebe an und überlegen Sie gemeinsam, was und wie es getan werden kann. Das gilt sowohl für Privatkunden als natürlich auch für die öffentliche Hand.
Welche Art von Aufträgen dürfen Handwerker jetzt ausführen, zum Beispiel in Privatwohnungen?
Handwerker dürfen arbeiten und ihre Leistungen anbieten. Mit Ausnahme der körpernahen Dienstleistungen, die Friseurinnen und Kosmetiker erbringen, ist alles denkbar. Und möglich, denn zum Beispiel die Einhaltung der Sicherheitsabstände ist in den überwiegenden Fällen kein Problem. Gegenseitige Rücksichtnahme und persönlicher Schutz sollten offen angesprochen und deutlich gemacht werden. Denn, so lautet ja unser Motto: „Wir sind Handwerker – wir können das!“
Ist es eine naive Idee, dass jetzt auch Berlins marode Schulen schneller saniert werden könnten?
Nein! Die Herausforderung besteht darin, keine Zeit mehr zu verlieren. Seit der Schließung der Schulen ist schon einige Zeit ins Land gegangen. Leider wurde sie für die notwendigen Schritte wie Ausschreibung, Vergabe, Beauftragung und so weiter nicht genutzt. Die Zeit drängt, denn die Schulen werden auf Sicht ihren Betrieb wiederaufnehmen. Da müssen Aufträge so vergeben werden, dass unsere Betriebe sie zügig ausführen können.
Soweit das Interview mit Handwerkskammer-Präsidentin Carola Zarth. Also: Wenn Sie in ihrem Haushalt schon immer mal etwas erledigen lassen wollten – dann jetzt.