„Eine Art feindliche Übernahme“: AGH-Präsidentin Seibeld zur Vorsitzenden des Evangelischen Arbeitskreis in der CDU gewählt
Die Ablösung des bisherigen Vorsitzenden Nooke überraschte einige Mitglieder. Seibeld soll für ihre Wahl extra Unterstützer mitgebracht haben. Ihr Ziel nun: Mehr Sichtbarkeit. Von Robert Ide.
Um einen prominenten Bürgerrechtler der DDR dreht sich auch eine überraschende Personalie aus der Berliner CDU. Günter Nooke, einst engagierter Kopf am Runden Tisch, später Afrika- und Entwicklungshilfe-Beauftragter der Bundesregierung, leitete einige Jahre lang den Evangelischen Arbeitskreis der CDU Berlin-Brandenburg. Bis bei der letzten Sitzung Cornelia Seibeld auftauchte. Die Präsidentin des Abgeordnetenhauses kandidierte – unterstützt von mitgebrachten Unterstützern – für das Amt. „Das war eine Art feindliche Übernahme“, schildert eine Teilnehmerin dem Checkpoint ihre Eindrücke von der Versammlung.
Der Evangelische Arbeitskreis, mit theologischen Gesprächsrunden bisher eher eine gemütliche Runde, ist seit kurzem eine reguläre Parteigliederung wie die Frauen-Union oder die Mittelstandsvereinigung und damit in der Bundes-CDU stimmberechtigt. Plötzlich vor eine Machtprobe gestellt, gab Nooke nach Teilnehmerangaben bekannt, nicht mehr antreten zu wollen. Auf Checkpoint-Anfrage wollte er sich nicht äußern.
Die neue Vorsitzende Seibeld sagte am Montagabend am Checkpoint-Telefon: „Es ist wichtig, dass der Arbeitskreis sichtbarer wird und wir das C in der CDU sichtbarer machen.“ Eine Überraschung sei ihre Kandidatur nicht gewesen, sie sei schließlich von einer großen Mehrheit unterstützt worden. Zudem habe es in den letzten zwei Jahren Gespräche über die Weiterentwicklung des Arbeitskreises gegeben, „deshalb überrascht mich eher die Überraschung anderer“, so Seibeld. Offiziell ließ sie nach der Wahl erklären: „Uns ist es wichtig, im Dialog mit der Landeskirche und der Gesellschaft zu bleiben und Brücken zu bauen.“ Die Brücke zu Günter Nooke könnte allerdings etwas brüchig geworden sein.