Ausbaufähiges Angebot
Die Schulen tauchen im bunten Cluster-Bild des Senats nicht auf, allerdings in einem einleitenden Satz, der die besondere soziale Bedeutung hervorhebt, jedoch auch ganz klar einschränkt: Die vorsichtigen Öffnungsschritte im Bildungsbereich seien „an ein weiter abgesenktes Infektionsgeschehen geknüpft und werden bei einer 7-Tages-Inzidenz von mehr als 100 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner zur Disposition gestellt“.
Bis dahin gehen seit gestern 95 000 Schülerinnen und Schüler wieder in den Präsenzunterricht. Bei manchen sind es drei Stunden am Tag im Wechselunterricht, andere müssen oder dürfen – je nach Perspektive – nur zweimal in der Woche drei Stunden kommen. Symbolisch für die, sagen wir mal, ausbaufähige Ausstattung hielt gestern eine Lehrerin in der rbb-Abendschau einen durchsichtigen Ikea-Kistendeckel zwischen zwei klavierspielende Schülerinnen.
Pandemiebefördernde Mitnahmeeffekte hat diese zarte Öffnung allerdings bereits jetzt. Vielen Eltern fällt nach zwei Monaten ohne Betreuung in der Nachtschicht der Kopf auf die Tastatur (Grüße!). Warum also nicht die Gelegenheit nutzen: Wenn Kind 1 wieder zur Schule gehen darf, möchte Kind 2 auch wieder in die Kita. Mama & Papa nutzen das kurze Zeitfenster der Freiheit, um endlich mal wieder im Büro vorbeizufahren, ach Hannah, wie nett – einen schnellen Kaffee auf dem Dach? Viele Kitas melden bereits, dass sie die 60 Prozent Auslastung überschreiten, weil es so viele Anfragen auf „Notbetreuung“ gibt. In einer Tempelhofer Kita führt das dazu, dass die Betreuungszeiten insgesamt runtergefahren werden müssen – und selbst eine Vollzeit arbeitende alleinerziehende Mutter nun nur noch maximal drei Tage bekommt.