Ältester Antiquar von Berlin hört auf

Seit einem halben Jahrhundert verkauft Klaus Hollmann alte Bände über Berlin – nun geht der 76-Jährige in Rente. Zum Ende seines Bücherlebens zieht er Bilanz. Von Robert Ide 

Ältester Antiquar von Berlin hört auf
Wird das Antiquariat am Berliner Gendarmenmarkt weitergeführt? Foto: Alejandro de Viaje/Tripadvisor

Es gehört fast zum Mobiliar am Gendarmenmarkt – das Antiquariat von Klaus Hollmann. Seit einem halben Jahrhundert verkauft der 76-Jährige alte Bücher über Berlin, seit drei Jahrzehnten auch in einem Laden inmitten von Mitte. Von der einst einzigen rein christlichen Buchhandlung in Ost-Berlin übernahm er nach dem Umbruch die vertäfelten Räume und teilt sie sich nun mit drei Antiquaren, die sich auf alte Grafiken spezialisiert haben. Jetzt aber kündigt Berlins wohl ältester Antiquar im Schaufenster den „Ausverkauf wegen Geschäftsaufgabe“ an – und erzählt am Checkpoint-Telefon: „Ich muss leider Ende des Monats meinen Laden aus gesundheitlichen Gründen räumen.“ Lohnt sich denn das Lesen gar nicht mehr? „Auf jeden Fall ist es unpersönlicher geworden“, bilanziert Hollmann.

Bücher sind nicht nur zum Lesen da – sondern auch zum Reden darüber. Hollmann erzählt, dass er am liebsten mit Kundinnen und Kunden über das Leben philosophiert habe. Mit dem zunehmenden Onlinehandel habe sich das verändert. „Jüngere Menschen suchen zielgerichtet etwas Bestimmtes. Viele sind nicht mehr bereit für Gespräche und möchten sich nicht inspirieren lassen.“ Immerhin der Gendarmenmarkt sei so schön geblieben wie am Anfang – „hier ist es angenehmer zum Verweilen als in der öden Friedrichstraße“. Doch auch Berlins schönster Platz zwischen den Domen wird bald saniert – für Hollmanns mögliche Nachfolger dürfte die Baustelle das Geschäft nicht einfacher machen, ebenso der komplizierte gemeinsame Mietvertrag mit dem Graphik-Antiquariat. „Leider habe ich mich bisher vergeblich um einen Nachfolger bemüht“, sagt Hollmann.

Hoffnung geben immerhin die Bücher in Hollmanns schönem Laden. Schließlich hat sich Berlin immer neu verwandelt – das zeigen seine vielen Bände über die Berliner Ortsgeschichte aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Welche Literatur hält Klaus Hollmann selbst für zeitlos? „Ich bin ein großer Sammler von Büchern über Rom, denn da bin ich groß geworden.“ Auch das können gedruckte Worte: dem Heimweh eine Heimat geben. Und Berlin hat das ja manchmal: Sehnsucht nach sich selbst.