Weiterer Bericht über vorab ausgefüllten Wahlzettel: Geisel sagt Aufarbeitung zu

Innensenator Andreas Geisel (SPD) sieht sich nun doch irgendwie zuständig dafür, die Wahlpannen analysieren zu lassen. „Wir müssen aus den ausschnitthaften öffentlichen Wahrnehmungen zu einer faktenbasierten systematischen Aufarbeitung kommen“, verlautbarte er gestern. Das kann man so sagen (oder eleganter). Die gestern hier ausschnitthaft öffentlich wahrzunehmende Räuberpistole eines Tsp-Lesers, der von einem bereits angekreuzten Stimmzettel berichtet hatte, hat übrigens Gesellschaft bekommen: Ein weiterer Leser berichtet von einem Zettel mit zwei bereits gesetzten SPD-Kreuzen aus seinem Wahllokal in der Langhansstraße. Nach Reklamation beim Wahlvorstand sei der Zettel zerrissen und ein neuer ausgegeben worden. „Dies können wir eidesstattlich bekräftigen.“ Laut Geisel gab es bisher in etwa 100 Wahllokalen „jetzt zu überprüfende Vorgänge, über die bei jeder Wahl üblichen Nachzählungen hinaus“.

Nachdem Geisel tags zuvor in der Senatspressekonferenz vermisst worden war, gastierte er gestern in der RBB-Abendschau. Mit seinem anfänglichen Alles-halb-so-wild-Sound erhöhte er prompt die Betriebstemperatur der Moderatorin, die die Pannenbeispiele wie Hagel auf ihn einprasseln ließ. Irgendwann hatte sie den Senator soweit, dass er es einen „absolut ärgerlichen Vorgang“ nannte, dass Wahlberechtigte wegen übermäßiger Wartezeiten wieder gegangen seien. Angesprochen auf die frühzeitigen Warnungen vor falsch verteilten Stimmzetteln sagte Geisel: „Das ist alles aufgearbeitet worden.“ Warum es trotzdem schiefging, erklärte er nicht. Er gehe davon aus, dass es Klagen gegen das amtliche Endergebnis geben werde, das in einer Woche vorliegen soll. Auch er werde vielleicht Einspruch einlegen; „ich ärgere mich total“. Wer auf eine Entschuldigung gehofft hatte, muss sich weiterhin mit der begnügen, die sich der Finanzsenator tags zuvor abgerungen hatte.