Goldnest-Diebstahl in Marzahn
Zuletzt noch ein Blick nach Marzahn und auf die Meldung „Diebeselstern klauen Nest“. Unbekannte haben in der Nacht zu Mittwoch das Kunstwerk „24kt“ aus der Fuchsberg-Grundschule gestohlen – ein Nest aus purem Gold im Wert von rund 30.000 Euro. Polizei und Staatsanwaltschaft gehen von Clankriminalität aus. Im Visier der Ermittler stehen Mitglieder der Großfamilie R. Durchgeführte Durchsuchungen ergaben allerdings nichts. Von dem Gold fehlt jede Spur.
Exklusiv für Abonnenten: Dass der Diebstahl womöglich hätte verhindert werden können, zeigen interne Polizeiakten, die dem Tagesspiegel vorliegen. Bereits am Freitagabend hatten Fahnder der Direktion 6 drei Jugendliche aus dem Umfeld zweier polizeibekannter Großfamilien (die beiden Älteren sind als Intensivtäter bekannt) an der Fuchsberg-Grundschule beobachtet. Das steht in einem Bericht, mit dem spätestens am Freitagabend eine Warnung an den Lagedienst der Polizei herausging. Tenor: Ein Einbruch von Clan-Mitgliedern könne geplant sein. Was die Fahnder außerdem erfahren: Bereits am Donnerstagabend hatte es einen „Sabotagealarm“ gegeben (mit einem Sicherheitscode versehene Schultür verriegelt nicht). Die Anlage wird repariert. Die Direktion 6 ordnet an: Alle Streifen sollen übers Wochenende häufiger an der Schule vorbeifahren. Ob das LKA informiert wurde, ist unklar. Am Montagmorgen werden die Vorfälle in den Vortragsunterlagen zu „kriminellen Angehörigen arabischstämmiger Familienstrukturen“ für die Polizeiführung erwähnt. Ob sie der Polizeiführung vorgetragen wurde – ebenfalls unklar.
Zum Tathergang: Um 0.08 Uhr geht am Mittwochmorgen bei der Wachschutzfirma der stille Alarm ein. Ausgelöst von einem Fenster zur Straßenfront. Um 0.10 Uhr informiert ein Mitarbeiter seinen Chef. Während der Fahrt des Mitarbeiters wird ein zweiter Alarm ausgelöst – die Alarmanlage der Vitrine. Der Chef gibt an, die Polizei nicht informieren zu wollen – zu hohe Kosten. Um 0.22 Uhr ist der Wachmann da, sieht die leere Vitrine und ruft die Polizei. Um 0.32 Uhr kommt der erste Streifenwagen. Später finden Kripo und Spurensicherung: ein 13x15 Zentimeter großes Loch in der siebenfach verglasten Scheibe der Vitrine und Goldfäden in Glassplittern auf dem Boden. Zivilstreifen werden zu den Wohnorten der Verdächtigen in Lichtenberg und in Alt-Buckow geschickt – ohne Ergebnis. "Bild" gegenüber sagt Issa R.: „Der Vorwurf ist lächerlich. Jedes Mal, wenn in dieser Stadt Gold verschwindet, soll ich schuld sein.“ An die Alarmanlage angeschlossen ist eine Videoüberwachung: Das Material ist bei einer Firma in Eberswalde gespeichert.