Alter Reaktor steht seit 50 Jahren im Berliner Süden – kein Abbau geplant

BER I in Steglitz-Zehlendorf wurde nach einem Störfall stillgelegt. Zurückgebaut ist der Reaktor nach 50 Jahren aber immer noch nicht – trotz Senatsbeschlusses. Von Julius Betschka

Alter Reaktor steht seit 50 Jahren im Berliner Süden – kein Abbau geplant
Scheinwerfer beleuchten einen offenen Reaktor. (Symbolbild) Foto: Stefan Puchner/dpa

Achtung, Altlast: Heute vor 36 Jahren, am 26. April 1986, ereignete sich die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl. Durch den russischen Überfall auf die Ukraine wird das Unglück von damals in die Gegenwart gebeamt. In Berlin ist der letzte Forschungsreaktor BER II (bitte nicht verwechseln!) Ende 2019 vom Netz gegangen, der Reaktor BER I in Steglitz-Zehlendorf wurde nach einem Störfall schon 1972 stillgelegt. Das Bauwerk und mit ihm hochkontaminierte Teile wurden damals in einen Betonblock eingeschlossen. Um den notwendigen Rückbau wird seither gestritten. 50 Jahre später steht er noch. Behörden-Ping-Pong auf höchster Ebene.

Während der Reaktor BER II seit Ende 2019 zurückgebaut wird, bestätigte ein Sprecher der Umweltverwaltung auf Checkpoint-Anfrage, dass für das alte Reaktor-Erbe BER I weiterhin keine Abbau-Pläne existieren. Dabei wurden die Reste längst in die vom Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) betriebene Zentralstelle für radioaktive Abfälle des Landes Berlin überführt. Der Senat beschloss schon 2018, dass die Reaktoren BER I und II gemeinsam zurückgebaut werden sollen. Das sei „auch aus Sicht des Strahlenschutzes die sinnvollere Lösung“. Das will was heißen.

Allein kann der Senat den alten Reaktor aber nicht abbauen. Das HZB ist zu 90 Prozent vom Bund finanziert, nur zu 10 Prozent aus Berlin. Beiden Stellen hatte der Senat damals einen Brief wegen des Abbaus geschrieben. Und der Bund? „Eine abschließende Positionierung des zuständigen Bundesministeriums für Bildung und Forschung hierzu erfolgte unserer Kenntnis nach bislang nicht“, schreibt Sprecher Jan Thomsen. Der Brief ist schließlich erst vier Jahre alt. Aber der Reaktor steht ja auch schon 50 Jahre herum. Bettina Stark-Watzinger, bitte übernehmen.