„Lieber Sergej…“: Steinmeiers Rede von 2016 in Jekaterinburg wirkt verstörend (naiv)

Als Außenminister hielt der heutige Bundespräsident Steinmeier damals eine Rede, in der auch Kriegsminister Lawrow vorkommt. Sie warf und wirft Fragen auf. Von Lorenz Maroldt.

„Lieber Sergej…“: Steinmeiers Rede von 2016 in Jekaterinburg wirkt verstörend (naiv)
Foto: Thomas Trutschel/Imago

Bekannt dürfte Melnyk dagegen die Rede Steinmeiers vom 15.8.2016 in der Uni Jekaterinburg sein („Schön, wieder zurück zu sein!“) – wir haben sie hier für Sie nochmal herausgesucht: Den russischen Kriegsminister Lawrow spricht der damalige deutsche Außenminister mit „lieber Sergej“ an, die Annexion der Krim ist für Steinmeier „kein Grund, einander den Rücken zuzukehren, im Gegenteil“, seinen Ehrendoktortitel empfindet er „bis heute (…) als große Auszeichnung“. Und eine interessante Frage stellte Steinmeier: „Können wir einander lesen? Sind wir in der Lage, (…) die Signale, die der andere sendet, richtig zu interpretieren?“ Was die Signale aus Russland betrifft: offenbar nicht – dabei erwähnte Steinmeier sie in Jekaterinburg sogar: Putins Rede von 2007, Georgien, Syrien, Krim, „die eskalierende Ukraine-Krise“, „den Zusammenbruch der Sowjetunion, der im Rückblick nicht als Befreiung, sondern von vielen (Russen) als Katastrophe gesehen wird, als Trauma“. Das ist keine vier Jahre her.