Warum die Demokratie in Berlin funktioniert

Kaum Pannen, wenige Schlangen und eine Beteiligung von mehr als 60 Prozent: Der Wahlwiederholungstag, den so niemand wollte, ist überraschend gut gelaufen. Von Robert Ide

Warum die Demokratie in Berlin funktioniert
Sonnige Stimmung am Roten Rathaus. Foto: Imago/Dirk Sattler

Und das sind die guten Nachrichten nach einem Wiederholungswahltag, den so keiner wollte, aber der doch überraschend gut gelaufen ist:

+ Es gab nahezu keine Pannen und Schlangen. Berlin kann sich organisieren, wenn es muss und sich selbst ernst nimmt.

+ Es gibt kaum noch eine sichtbare Teilung im Wahlverhalten zwischen Ost und West. Eher zwischen Innenstadt und Außenbezirken.

+ Es gab trotz des Frustes über die Wiederholungswahl, die Landesregierung und generell über die von sich selbst überforderte Stadt immer noch eine Wahlbeteiligung von mehr als 60 Prozent. Die Demokratie haben die meisten Menschen nicht satt.

+ Berlin wählt die Parteien der demokratischen Mitte, auch, wenn die hier traditionell einen leichten Linksdrall hat. Wenn Wählerinnen und Wähler nach Alternativen suchen, etwa zur 22 Jahre regierenden SPD, finden sie welche. Protestpartei war diesmal die CDU.

+ Jede Stimme war gewichtig und wird anerkannt. Trotz des historisch hauchdünnen Rückstandes von nur 105 Stimmen auf die SPD fechten die Grünen das Rennen um Platz zwei nicht an. Die Hürden einer Neuauszählung wären auch hoch. Die Legitimität dieser Wahl ist es bereits.

Radikale Parteien konnten von den Krisen im angeblichen „Wutwinter“ nicht profitieren. Die Populisten von der AfD verfehlten ihr Ziel der Zweistelligkeit, die Querdenker-Partei „Die Basis“ kam trotz massiver Werbung auf nur 0,6 Prozent, die rechtsextreme NPD auf 0,1 Prozent.

+ Der Wahlkampf war bei allen Unterschieden fair geführt, persönliche Angriffe der führenden Köpfe untereinander gab es trotz harter Themen und des knappen Rennens nicht. Vielleicht ein guter Vorlauf für die schwierige Regierungsfindung.Die Demokratie in Berlin funktioniert. Was will man eigentlich mehr?