Nach vier Jahren Verzögerung: S-Bahn vergibt Neubetrieb der zentralen Stadtbahn

Der neue Betreiber soll innerhalb der nächsten zwei Wochen bekanntgegeben werden. Das wird auch Zeit, denn die Anschaffung neuer Wagen ist an die Vergabe gekoppelt. Von Robert Ide

Nach vier Jahren Verzögerung: S-Bahn vergibt Neubetrieb der zentralen Stadtbahn
Foto: dpa / Soeren Stache

Keine Ausnahme mehr sind Ausfälle bei der S-Bahn. Im Nordosten Berlins ist der Ring seit Wochen unterbrochen, nun stehen auch rund um Pankow und das Karower Kreuz alle Räder still. Dabei ist der Ersatzverkehr ein gutes Zeichen: Endlich werden ermüdete Schienen und anfällige Weichen ausgewechselt. Die S-Bahn braucht aber noch viel mehr Schotter für ihre marode Infrastruktur. Ein Dauerproblem bleiben die alten und wie in Schöneweide noch autark arbeitenden Stellwerke. Erst in zehn Jahren sollen alle Stellwerke erneuert und mit der Zentrale verbunden sein. Die Technik dafür ist noch nicht genehmigt. Hier müsste die Verwaltung von Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) selbst mal Tempo machen.

Immerhin die Neuausschreibung des Betriebs auf der zentralen Stadtbahn und der wichtigen Nord-Süd-Strecke steht nach vier Jahren Verzögerung endlich an. Nach Checkpoint-Informationen wollen Berlin und Brandenburg innerhalb der nächsten zwei Wochen den neuen Betreiber bekanntgeben. Die Bindefrist für die Angebote ende am 11. September, teilt die Verkehrsverwaltung auf Anfrage mit. „Die Länder beabsichtigen, den Zuschlag vor Ablauf der Bindefrist zu erteilen.“ Der Schritt ist überfällig, denn an ihm hängt auch die Beschaffung neuer Wagen. Frühestens losfahren können diese nun 2031. Doch schon 2029 machen die ersten alten Waggons schlapp. So fährt die S-Bahn mit Ansage ins nächste Desaster.

Der Verkehrsverwaltung ist das Problem bewusst; sie hofft auf die „Langlebigkeit der Bestandsfahrzeuge mit dem Ziel, dass die Einsatzfähigkeit bis zur schrittweisen Einflottung der Neufahrzeuge gewährleistet ist“. Deshalb werden nun 65 Viertelzüge der Baureihe 480, die eigentlich bald wegfallen, erneut überprüft. „Eine nochmalige Revision und ein längerer Einsatz der Fahrzeuge sind zum aktuellen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen“, hofft die Verkehrsverwaltung. Garantiert ist das aber, wie so vieles bei der S-Bahn, nicht.

Was Bahn und Politik tun müssen, damit nicht auch noch die Weichen erweichen, kommentiere ich heute Morgen ab 8 Uhr im „Berliner Rundfunk 91.4“ – und im Laufe des Tages auch auf tagesspiegel.de. Bis dahin wünschen wir Ihnen viel Glück an der Bahnsteigkante! Und rauschen optimistisch durch den Tag mit dem verträumten Unterwegs-Song „The Trip“ von Still Corners – einem Pop-Duo, das sich zufällig auf einem Londoner Bahnsteig kennengelernt hat. Da kommt auch unsere Checkpoint-Sommer-Playlist in Fahrt.