Trojaner-Angriff auf Kammergericht war schon länger bekannt
Der IT-Dienstleister wusste von der Hacker-Attacke aufs Kammergericht bereits seit Anfang September. Erst am Montag wurde das Gericht vom Netz genommen.
Es gibt Neuigkeiten zum Trojaner-Angriff auf die Justiz. Am vergangenen Montag wurde das Computersystem des Kammergerichts nach einem Trojaner-Angriff vom Landesnetz abgetrennt. Als Vorsichtsmahßnahme sei das komplette Computersystem vom Netz genommen worden, hieß es damals. Allerdings war der Angriff damals schon wesentlich länger bekannt, als bisher gedacht.
1) Kammergerichtspräsident Bernd Pickel hat bei einer internen Veranstaltung mitgeteilt, dass bereits am 10. September vom Berliner IT-Dienstleistungszentrum (ITDZ) eine Infektion festgestellt worden war. Eine offizielle Information ans Kammergericht erfolgte erst am 23. September.
2) In der Justizverwaltung heißt es, zunächst sei versucht worden, das Problem in den Griff zu bekommen, dann habe man „aufgegeben“ und die betroffenen Rechner komplett vom Netz genommen. Aus der Erfahrung in anderen Fällen mit demselben Virus wird eine Lösegeld-Erpressung mit Bitcoins befürchtet.
3) Wegen der veralteten IT-Ausstattung am Kammergericht arbeiten viele Richter mit USB-Sticks – ob dadurch weitere Rechner infiziert wurden, ist noch unklar. Jetzt wird erstmal wieder mit Papier gearbeitet.
4) IT-Staatssekretärin Sabine Smentek sagte dem Checkpoint: Dass es sich um den gefährlichen Trojaner „Emotet“ handelt, sei erst Mitte vergangener Woche festgestellt worden. IT-Forensiker untersuchen jetzt den Weg, den das Virus genommen hat - es gebe aber keine Hinweise auf ein Überspringen in andere Verwaltungen.
5) Die SBC-Umgebung von Landgericht und Amtsgerichten sowie die des Landesamts für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten sowie anderer Landesbehörden waren gestern früh ebenfalls von Störungen betroffen – es handelt sich dabei aber offenbar nicht um den Emotet-Trojaner, sondern um eine Parallelentwicklung. Einzelne Dienststellen konnten etwas später bereits wieder arbeiten.