Rätsel um 200.000 verschwundene Masken
Innensenator Andreas Geisel und sein Sprecher Martin Pallgen hatten es am Wochenende aber vor allem mit einem ganz anderen Problem zu tun: Wie konnten 200.000 Mundschutzmasken aus einer geplanten und laut Innenverwaltung auch bezahlten 400.000er-Lieferung an die Berliner Polizei verschwinden?
Von einem „Akt moderner Piraterie“ sprach Geisel am Freitag – die Masken seien in Bangkok „konfisziert“ und in die USA verschafft worden (CP vom 4.4.). Der Regierende Bürgermeister machte sogar Trump persönlich dafür verantwortlich – per Twitter ließ er zum Fall verkünden:
„Das Handeln des US-Präsidenten ist alles andere als solidarisch und verantwortungsvoll. Es ist unmenschlich und inakzeptabel.“
Doch am Sonnabend rutschte Michael Müller dann auf dem von ihm wagemutig betretenen diplomatischen Parkett aus – ein „Spiegel“-Interview ließ der Regierende online gleich zweimal korrigieren: In der ersten Fassung hieß es, die Masken seien von der Polizei „bei einem US-amerikanischen Händler bestellt“ worden. Das wurde geändert, in einer Anmerkung der Redaktion dazu heißt es: „Tatsächlich handele es sich um einen deutschen Hersteller, sagte Müller am Samstag.“ Doch auch diese Feststellung wurde konfisziert – hier die nächste Anmerkung des „Spiegels“: „Im Verlauf des Samstagnachmittag teilte eine Senatssprecherin mit, dass die Masken von der Berliner Polizei bei einem deutschen Händler bestellt wurden – nicht bei einem deutschen Hersteller.“
Alles klar? Offenbar nicht, denn erst nach dem ganzen lautstarken Gerassel kündigte der Senat an, die Details klären zu wollen: Es lägen noch keine Informationen vor, was genau in Bangkok passiert sei.
Auch ein angebliches Dementi aus Washington löst das Rätsel nicht. „T-Online“ meldete zwar, „das Weiße Haus“ weise die Vorwürfe „auf Anfrage“ zurück, und tatsächlich zitiert das Portal einen ungenannten „hohen Regierungsbeamten“ mit den Worten, es handle sich um Desinformation, die Vorwürfe seien „komplett falsch“. Doch sagt der Anonymos auch: Die USA produzierten selbst große Mengen an medizinischem Material im Land, und komme es zum Ankauf von Materialien aus anderen Staaten, beschreite man die „angemessenen Kanäle“. Da klingt Geisels Vorwurf dann schon gar nicht mehr so absurd. Die Firma, deren Masken die Berliner Polizei haben wollte, ist übrigens tatsächlich eine amerikanische. Vielleicht ist die Polizei aber auch einfach nur auf einen gewieften Händler reingefallen.
Die internationalen Preise für Masken sinken zwar gerade wieder, aber dass hier viele das Geschäft ihres Lebens wittern, ist offensichtlich. Und das Geschäft ist voller Gerüchte – eins davon: In der Gesundheitsverwaltung liege seit zwei Wochen das Angebot eines chinesischen Unternehmers vor, zu einem „vernünftigen“ Preis. Der Mann soll in Berlin gelebt haben, seine Telefonnummer sei bekannt, eine Antwort aber habe er bisher nicht bekommen. Vielleicht blockiert ja Trump die Leitung. Vielleicht muss da die Queen mal ran (siehe oben).
Die Bundeswehr (1. Wachbataillon) hat übrigens nach eigenen Angaben am Flughafen Leipzig/Halle eine Großlieferung mit zwei Millionen Schutzmasken per Hand verladen – das Ziel: Berlin.