Berlin diskutiert über die Helmut-Kohl-Allee

Weniger Glück haben Alt-Bundeskanzler mit einer Würdigung in Berlin.

Konrad Adenauer hat immerhin einen Platz bekommen, der allerdings selbst bei Sonnenlicht nicht mehr als eine Betonbrache mit fetter Kreuzung in Charlottenburg ist, wer länger sucht, findet einen Brunnen. Helmut Schmidt hat immerhin eine Allee bekommen, allerdings nur am Rande eines Gewerbegebiets in Bernau. Für Willy Brandt gab es zwar nur ein Stummelstückchen Straße, dafür aber mitten im Regierungsviertel. Über den Flughafen, der inoffiziell seinen Namen trägt, wollen wir gar nicht erst sprechen – als Hommage an die guten alten Zeiten werden dort seit Tagen die Koffer wieder per Hand sortiert.

Nun hat Kai Wegner vorgeschlagen, die Hofjägerallee in Helmut-Kohl-Allee umzubenennen (CP von Montag) – eine schon deswegen charmante Idee, weil es dort keine Anwohner gibt, die täglich nachschauen müssen, ob der Helmut eigentlich ein TH hat. Meinen Kommentar zum Thema können Sie hier nachhören oder hier lesen.

Auf unsere Frage gestern, was Sie denn davon halten, erreichten uns unzählige Mails (vielen Dank dafür!). Lesen wir doch mal rein:

+ „Ich bin dafür, nicht die Hofjägerallee, sondern den Schwarzen Weg (am Invalidenpark) in Helmut-Kohl-Str. umzubenennen. Das erhält den Bezug zu den Parteikassen aufrecht, dürfte bei den Null Anwohnern keinerlei Widerstand auslösen.“ (Martin Strobel)

+ „Wie gut, dass das damals alles in Bonn stattfand. Hier bitte keine Straße und auch keinen Weg und auch keinen Pfad.“ (Manuela Groll)

+ „Keine neuen Straßennamen an untragbare Personen. Und: was war mit der Idee, bis zur Erreichung der Parität erst mal keine Männer mehr zu ehren?“ (Danuta Henning)

+ „Vielleicht würde für den Ex auch ein kleineres Sträßchen reichen, z.B. die Thusnelda-Allee in Moabit?“ (Norbert Möllemann)

+ „Die CDU möchte offensichtlich ihre Parteizentrale in der Helmut-Kohl-Straße haben um einen Kriminellen (Beihilfe zur Steuerhinterziehung der Parteispender) zu ehren. Sollen sie doch das Haus umbenennen, einen Adenauerplatz haben wir ja schon.“ (Bernd Liebsch)

+ „Wir halten nichts von der Umbenennung, weil man die Gesamtvita von Helmut Kohl betrachten muss und nicht nur die Wiedervereinigung.“ (Werner und Ursula Bensch)

+ „Für mich hat Helmut Kohl unschätzbare Verdienste erworben, als er es schaffte, dass ALLE russischen stationierten Soldaten die DDR verließen. Ein unheimlich guter Deal mit der Sowjetunion. Niemand schätzt diesen Deal gebührend.“ (Karin Huppmann)

+ „Im Unterschied zu Adenauer war Kohl ein Kanzler, der keine Aversion gegenüber Berlin und den Osten Deutschland zu haben schien und sogar Berlin als Regierungssitz befürwortete. Das war für einen Rheinländer keineswegs selbstverständlich. Am wichtigsten aber ist, dass er in einem ,welthistorischen Moment‘ die Chance für eine Wiedervereinigung zu nutzen verstand. Dadurch gewann er ein historisches Format. Ich sage dies, obwohl ich immer SPD-Wähler war.“ (Helmut Pillau)

+ „Ausgerechnet die CDU, die sich bisher stets mit fadenscheinigen Bedenken ( z.B. Treitschkestr.) gegen Umbenennungen gewehrt hat, will eine der historischen Alleen im Zentrum einer fragwürdigen Heldenverehrung opfern.“ (Beate Hachfeld)

So weit, so divers. Aber was sagt eigentlich der Bezirk Mitte dazu, der das Ganze schließlich umsetzen müsste? Das lesen Sie heute in der Abo-Version des Checkpoints.

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