Besuch im ältesten Berlin der Welt
So, erst mal ‘ne Currywurst am Ku’damm. Und dann am Potsdamer Platz ein paar frische Eier von glücklichen Hühnern holen. Kein Problem in Berlin in Schleswig-Holstein. Das 800-Seelen-Dorf ist mit mehr als 800 Jahren das älteste Berlin der Welt, hier lebt man schon seit 1215 am See statt an der Spree (Fotos hier). „Uns werden natürlich öfter die Ortsschilder geklaut“, erzählt Bürgermeister Philipp Frank am Checkpoint-Telefon; also besorgt er ständig neue: „Dat is wie’s is.“ Ansonsten is nich viel in Berlin: außer viel hügelige Natur.
Zur Stärkung nach der Radtour gibt’s Pommes im Imbiss „Berliner Eck“ – „die schmecken wie bei Curry 36“, ist sich Frank sicher, „also schnell hin, schnell ran, schnell weg.“ Der Jahreshaushalt der Gemeinde Seedorf, zu der Berlin gehört, fällt mit drei Millionen Euro eher bescheiden aus. Dafür ist der 39 Jahre junge Bürgermeister für alle im Ort rund um die Uhr erreichbar. „Alle haben meine Handynummer, jeder ist für jeden da. Wir sind ein Kiez – nur ohne Späti.“ Kindergarten und Grundschule sowie drei Feuerwehren haben sie auch noch. Und einen Berliner Sportclub mit Bär im Wappen – „unser BSC ist aber nicht ganz so groß wie Hertha“.
Schon Franks Opa war Bürgermeister im Ort, traf sich hier mit Willy Brandt 1972 zum Gipfeltreffen. Ein Ehrenmal wurde eingeweiht für den Groß-Berliner Polizeibeamten Wilhelm Krützfeld – der hatte den Beamten Otto Bellgardt beim Polizeipräsidium gedeckt, der die Neue Synagoge in der Pogromnacht vom 9. November 1938 vor Brandstiftern gerettet hatte. Nächstes Jahr will Bürgermeister Franz an seinem beschaulichen Potsdamer Platz nun selbst Geschichte schreiben. Zwei Mauerstücke sollen aus der Hauptstadt, in der er schon zur Love Parade durch den Tiergarten getanzt ist, hierher gelotst werden. „Die können die Kinder unserer Schule jedes Jahr neu gestalten.“
So hat das kleine Berlin immer seine größere Schwester gut im Blick. Die ist schließlich nur 357 Kilometer entfernt. Der Nachbarort des kleinen, älteren Bruders heißt übrigens Weite Welt. „Von Berlin in die weite Welt in zwei Kilometern – wo hat man das schon?“, fragt Franz und lacht. Nie lag in Berlin das Ferne so nah.