Wer zahlt den Preis für billiges Fleisch?
Fleisch ist heutzutage billig, aber wer zahlt den Preis dafür? Da sind zum Beispiel die Arbeiter afrikanischer Herkunft. Sie arbeiten in 16-Stunden-Schichten, sechs Tage die Woche, erhalten im Monat knapp 700 Euro. Einer verletzt sich, hat eine tiefe Schnittwunde an der Hand und erklärt seinem Vorarbeiter, er brauche Hilfe. Der Vorarbeiter schickt ihn blutend zurück auf seinen Posten. Er sagt nur: „Arbeiten! Arbeiten! Zeit ist Geld!“
Friedrich Mülln, 40, ist Gründer des Vereins „Soko Tierschutz“. Seine Rechercheure haben in den überfüllten Sammelunterkünften gelebt, in Sälen mit Stockbetten geschlafen. Mülln sagt, er habe in den Betrieben beobachtet, wie Menschen und Tiere gleichzeitig ausgebeutet werden: „Beides verstärkt sich gegenseitig.“ Es wundere ihn, dass Politik und Behörden erst jetzt erkennen, wie groß die Gefahr für massenhafte Corona-Infektionen in den Schlachthöfen ist. „Es war definitiv abzusehen. Man hätte viel früher systematisch testen müssen.“ Starke Recherche über ein Schweinesystem von Tagesspiegel-Reporter Sebastian Leber.