Hürden für neue Staatsbürger: Wie die Berliner Bürokratie Einbürgerungen ausbremst
Ein Auslandskorrespondent will Berliner werden. Alles ist erledigt – bis auf den letzten Test. Doch der Termin, um diesen überhaupt buchen zu können, ist nicht verfügbar. Von Lorenz Maroldt und Daniel Böldt.
Foto: dpa / Fernando Gutierrez-Juarez
Zum Schluss ein Blick in die Mailbox… hier: Post von einem lieben Kollegen, der sich selbst als „Berlin-abgehärteter Auslandskorrespondent“ bezeichnet. Lesen wir mal rein:
„Im vergangenen Jahr habe ich mich dazu entschieden, die deutsche Staatsbürgerschaft zu beantragen. Als EU-Bürger darf ich hier alles – sogar das schwarze Loch der deutschen Rentenversicherung füllen. Nur eins darf ich nicht: wählen.
Nach 25 Jahren in Berlin sollte sich das endlich ändern. Also habe ich einen Antrag gestellt, brav alles gesammelt, bestanden, abgehakt. Nur eines fehlt mir: mein „Leben in Deutschland“-Testzertifikat. Um einen Testtermin zu bekommen, muss man online einen Termin buchen (ja, richtig gelesen: Man braucht einen Termin, um bei diesem Termin einen Termin zu bekommen). Nur bietet die zentrale Webseite, auf der man einen Termin für den Termin bekommen soll, nie Termine an. Kafka lässt grüßen.
Mein Antrag droht deswegen zu verfallen, dann müsste ich mit allem wieder von vorne anfangen. Das Problem ist anscheinend so weit verbreitet, dass in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern keine „Leben in Deutschland“- Testtermine mehr für Berliner angeboten werden.
Um die Lage zusammenzufassen: Berlin bietet mir mit der einen Hand die Staatsbürgerschaft an, mit der anderen Hand verhindert Berlin, dass ich sie erhalte. Wenn ihr auch mal „Leben in Deutschland“-Bingo spielen möchtet, hier die Website. Falls Ihr einen Termin ergattert, gebt ihn mir bitte weiter!“
Das haben wir natürlich gleich versucht. Dann nochmal. Und nochmal. Aber…: „Leider sind aktuell keine Termine für Ihre Auswahl verfügbar.“ Wann „aktuell“ vorbei ist, steht da leider nicht.