Drei Fragen an den Regierenden Bürgermeister Michael Müller
1. Herr Müller, in wenigen Stunden machen Sie sich auf den Weg nach Tokio. Sind so aufwändige und teure Städtepartnerschaften über solche Distanzen überhaupt sinnvoll?
Städtepartnerschaften ermöglichen Austausch und Verständigung. Das klingt vielleicht nicht sofort nach „harten Fakten“, ist aber unglaublich wichtig. In Zeiten von erstarkendem Nationalismus, einem Abschottungsprozess von Staaten und eher weniger Verständigung ist ein Austausch auf kommunaler Ebene, besonders auf kulturellem Gebiet und im Bereich von Wissenschaft und Forschung eine Brücke. Die großen Fragen sind in allen Metropolen gleich: Demographischer Wandel, Infrastruktur, Digitalisierung und natürlich Wohnen/Stadtentwicklung. Von den unterschiedlichen Antworten und Lösungen, die gefunden werden, profitieren alle. Nicht zu vergessen die zahlreichen gemeinsamen Projekte wie Austauschprogramme für Auszubildende oder Hospitanzen zu Themen kommunaler Aufgabenbereiche.
2. Gerade asiatische Städte forcieren ihre digitale Transformation zu „smart cities“. Was muss in Berlin passieren, um da nicht den Anschluss zu verlieren?
Auch Berlin vollzieht die Entwicklung zur Smart City. Und mit der internationalen Entwicklung Schritt zu halten, ist eine große Herausforderung. Mir ist eine Offenheit gegenüber innovativen Ideen genauso wichtig, wie die Sorgfalt beispielsweise im Datenschutz. Der Transformationsprozess der Digitalisierung hat auch etwas mit einem Kulturwandel zu tun. Und die Herausforderungen sollten nicht zu Überforderung führen. Deshalb unbedingt ein Bekenntnis zur Smart City – der Senat sorgt für gute Rahmenbedingungen. Denn wir wollen nicht unbedacht nur kopieren, sondern gute Ansätze implementieren, weiterentwickeln und Berliner Ideen kreieren. Wir wollen selbst Impulsgeber sein, durch das Stärken unserer Wissenschaftslandschaft in einem lebendigen Startup-Umfeld.
3. Zurück nach Berlin: Auf welches kulturelle oder gesellschaftliche Ereignis in ihrer Heimatstadt freuen Sie sich ganz besonders?
Sich in unserer Stadt für nur ein Ereignis entscheiden zu müssen, ist schon eine sehr schwierige Aufgabe. Das Luftbrückenjubiläum und die Begegnung mit Gail Halvorsen waren für mich schon sehr beeindruckend. Mit Blick auf das gesamte Jahr 2019 ist aber ohne jeden Zweifel der 9. November ein Tag der großen Momente, auf den ich mich besonders freue. An diesem Tag bewusst die Ereignisse von vor 30 Jahren wach zu rufen, an die besondere Atmosphäre des Abends zu denken, die Dimension einer friedlichen Revolution und die großen Chancen für diese Stadt zu erfassen, damals wie heute – davor habe ich Respekt und darauf freue ich mich.