Durchgecheckt

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Marion Bleß leitet die Lotto-Stiftung Berlin und ist Vorstandsmitglied der Stiftung Deutsche Klassenlotterie.

Gestern Abend wurde der EuroJackpot geknackt – gefüllt mit 90 Millionen Euro. Ist das nicht ein bisschen verrückt?
 
Das ist in der Tat eine hohe Summe, die schwer vorzustellen ist. Mir sagte einmal eine Gewinnerin, die 30 Millionen gewonnen hatte, dass sie sich lieber eine kleinere Summe gewünscht hätte. Andererseits gibt es in den USA mit „Mega Millions“ eine äußerst beliebte Lotterie, deren Jackpot auf über eine Milliarde anwachsen kann.

Wie viele Berlinerinnen und Berliner spielen eigentlich Lotto und was setzen sie ein?

Das sind in Berlin etwa 600.000 Spieler pro Woche. Diese machen über das Jahr hinweg 270 Millionen Euro Umsatz – entweder in einem der knapp 1000 Lotto-Kioske oder online bei lotto-berlin.de
 
Und was passiert eigentlich mit dem ganzen Geld?

Das Geld wird zu hundert Prozent an die Berliner und Berlinerinnen zurückgegeben. Lotto ist im Prinzip ein Non-Profit-Unternehmen. Von einem eingesetzten Euro werden 50 Cent als Gewinn ausgeschüttet. 20 Cent sowie der gesamte Bilanzgewinn fließen in die Lotto-Stiftung und kommen somit zahlreichen gemeinnützigen Projekten in Berlin zugute. Hierbei erhält der Sport und die Jugendarbeit eine feste Quote von je 25 Prozent. Die andere Hälfte der Stiftungsgelder wird von einem unabhängigen Stiftungsrat an Projekte aus der Kultur, dem Umweltschutz oder aus sozialen Bereichen verteilt. Weitere 17 Cent fallen für die Lotterie-Steuer an und etwa 7 Cent werden an Provisionen für die Annahmestellen gezahlt. Mit dem Rest wird die Verwaltung finanziert, für die 150 Mitarbeiter tätig sind.
 
Die Länder verhandeln derzeit über einen neuen Glücksspielstaatsvertrag, der Berliner Chef der Senatskanzlei Christian Gaebler koordiniert dabei die SPD-Länder. Was spricht eigentlich gegen eine Liberalisierung?
 
Glücksspiel ist kein Wirtschaftsgut wie jedes andere. Wir haben faktisch keinen Wareneinsatz, sondern verkaufen den Traum vom großen Glück. So etwas gehört nicht in private Hände, denn nur ein staatlicher Anbieter garantiert, dass alle Einnahmen aus dem Spiel wieder an die Gesellschaft zurückfließen. Außerdem basiert das Lotteriemonopol auf Suchtprävention. Sollte es im Zuge einer Liberalisierung zur Freigabe von suchtgefährlichen Spielen aus privater Hand, wie z.B. Online-Casinos kommen, wäre das Lotterie-Monopol aus juristischer Sicht in Gefahr. Dies ist ein Kernthema in der Diskussion um einen neuen Glücksspiel-Staatsvertrag. Der Grund hierfür liegt auf der Hand: Wenn eine Glücksspielart, die stark süchtig machen kann, privatisiert wird, warum sollte Lotto, dessen Suchtpotenzial denkbar gering ist, im Monopol bleiben können. Das bedeutet aber auch: Wenn private Anbieter beim Glücksspiel mitverdienen, fließt weniger Geld an das Gemeinwohl. Dann gibt es „Goldkettchen und Porsche“ statt Förderung sozialer Projekte. Zudem könnte mit der Einführung von Online-Casinos die Abstandsregel für Spielhallen kippen. Denn mit dem Smartphone ließe sich von überall aus spielen. Warum sollte der terrestrische Bereich dann noch 500 Meter Abstand wahren müssen. Womöglich entwickeln sich Teile von Berlin zu einer Art Las Vegas. Das alles spricht gegen eine Liberalisierung von Glücksspiel.
 
Sie sitzen ja an der Quelle: Welche Zahlen werden denn an diesem Sonnabend gezogen?

Ach, das wird immer wieder gefragt, von Journalisten, aber auch von Politikern. Mit meinen Zahlen hat aber noch nie jemand gewonnen – ist eben alles ohne Gewähr bei uns! Vielleicht versuchen Sie es mal mit 1,2,3,4,5 und 6, Superzahl 7. Viel Glück!