Durchgecheckt

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Klaus Lederer ist Kultursenator und Bürgermeister von Berlin. Der langjährige Linke-Chef (Foto: Kai-Uwe Heinrich) ist nach Umfragen der derzeit beliebteste Politiker in Berlin. Und gerade zurück in der Stadt.

Herr Lederer, erst Urlaub, dann mit Wladimir Kaminer in Brüssel unterwegs. Haben Sie keine Lust auf Berlin in den Ferien?

Ersterer war notwendig, Zweiteres war ein Abend in Brüssel – Unlust auf Berlin kann man daraus schwer ableiten. Den Berliner zieht es ja schon immer nach jwd, so auch mich; und dann Berliner Kultur in Brüssel zu präsentieren ist ja auch ganz schön. Wieder hier zu sein aber auch. 

Gibt es etwas, was sie unterwegs für unsere Stadt entdeckt haben?

Ein Mitbringsel für Berlin, seit Jahren schon und doch nie in der Stadt angekommen, ist die Ruhe und Muße, mit der man anderswo die Dinge angeht. Mal ‘nen Gang rausnehmen, das können wir uns hier von anderen gern abschauen.

In Berlin sind zwar gerade weniger Leute unterwegs, dafür stehen überall Elektroroller auf den Bürgersteigen oder verstopfen die Radwege. Sind Sie schon einmal damit unterwegs gewesen?

Nein – gefahren noch nicht, nur ein paar Mal drüber gestolpert. Diese Welle wird, wie Skateboard und Segway auch, an mir vorübergehen. Paragraf eins der Straßenverkehrsordnung spricht von Vorsicht und gegenseitiger Rücksichtnahme. Wenn sich nur alle dran halten würden…

Auch in U- und S-Bahnen ist es oft eng, weil es zu wenige Fahrer und Wagen gibt. Nun hat der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) ein günstiges Jahresticket für 365 Euro vorgeschlagen. Bekommt er dafür von Ihnen im Senat freie Fahrt?

Dass er das in einem Interview sagt, vorher mit niemandem gesprochen hat, es auch noch Unklarheiten gibt, macht ja den Vorschlag nicht schlecht. Im Kern geht es um besseren Öffentlichen Nahverkehr und bezahlbare Mobilität für alle, da können die Gespräche dann auch nachgeholt werden. Letztlich ist der Vorschlag die Verlängerung der Dinge, die diese Koalition im ÖPNV schon angepackt hat: günstigere Sozial- und Azubitickets, kostenloses Schülerticket, bessere Bedingungen für Firmentickets. Und ein Schritt in die Zukunft hin zu Öffi-Flat und kostenlosen ÖPNV.

Ihre Hilfe als Kultursenator fordern viele auch bei Berlins beliebtesten Tanzschuppen. Das traditionsreiche, mehr als 100 Jahre alte Clärchens Ballhaus bangt nach dem Verkauf des Grundstücks um seine Zukunft. Wie wollen Sie verhindern, dass dieses Berliner Kulturgut verschwindet?

Wenn es ein privater Eigentümer drauf anlegt, wegen höheren Profits Kultur zu verdrängen, dann kann ich kaum was machen. Rechtliche Hebel gibt es nicht. Wir versuchen dann um Verständnis zu werben, zu vermitteln, wir appellieren. Und manchmal, wie beim Rockhaus oder Theater o.N., hilft das und die Kultur gewinnt. Nach meiner Kenntnis will der neue Eigentümer aber das Ballhaus als Kulturort mit seinem klassischen und beliebten Profil erhalten.

Wo haben Sie denn in diesem Sommer schon gut getanzt?

In einer Turnhalle in Friedrichshain-Kreuzberg bei der Hochzeitsfeier eines lieben Freundes.