Durchgecheckt
Dr. Udo Haase (67) ist noch bis 2. Dezember Bürgermeister der Gemeinde Schönefeld. Bevor er 1990 in die Kommunalpolitik ging, war er Dolmetscher für Russisch und Mongolisch.
Nach 29 Jahren als Amtsdirektor und als Bürgermeister von Schönefeld hören Sie Anfang Dezember auf. Wie sehr schmerzt es Sie, dass Sie den BER während Ihrer Amtszeit nicht mehr miteröffnen können?
Das schmerzt wirklich. Ehrlich gesagt hatte ich schon 2011 gedacht, dass ich zur nächsten Wahl nicht unbedingt wieder antreten muss. Als dann der Eröffnungstermin verschoben wurde, habe ich meine Meinung geändert. Ich hätte mir nie vorstellen können, dass es dann auch in den sieben Jahren danach nichts mehr wird. Aber Herr Lütke Daldrup hat mir versprochen, mich einzuladen, wenn es soweit ist. Ich habe hier immerhin mehr als 500 Menschen für den Flughafen umgesiedelt.
Die Eröffnungsfeier 2012 ist drei Wochen vor dem Termin abgeblasen worden. Wann ist Ihnen klar geworden, dass es da nicht nur um ein paar Monate geht?
Recht spät. Auf der ersten Pressekonferenz hat Herr Platzeck ja noch gesagt, wir machen halt ein paar Wochen später auf. Das sah ich ebenso. Dann wurde plötzlich ein Jahr daraus, dann noch eins. Und irgendwann verliert man den Glauben. Ich habe ein paar Wetten verloren, weil ich schon immer Optimist war.
Verstehen Sie inzwischen, wie das Desaster zustande kam?
Dort waren viele am Werk, die nicht hielten, was sie versprachen. Gegenüber Herrn Lütke Daldrup hatte ich am Anfang die größte Skepsis. Aber der macht das bisher am besten. Durch seine Verwaltungserfahrung arbeitet er mit den Leuten in Bundes- und Landesbehörden gut zusammen. Außerdem weiß er durch seine Vorgeschichte als Staatssekretär mit Politikern umzugehen. Mein Freund Hartmut Mehdorn hat zwar immer Klartext gesprochen und war ein toller Manager, aber er hat eben nicht erkannt, was man anrichten kann, wenn man die Wahrheit zu brutal ausspricht.
Wie sehr haben die acht Jahre Verspätung dem Ort Schönefeld geschadet?
Im Gegenteil: Wir haben profitiert. Denn wir hatten genug Zeit, das Straßennetz ringsum so auszubauen, dass es zur Eröffnung wirklich fertig ist. Bei einer Eröffnung 2012 hätten wir ein unvorstellbares Verkehrschaos erlebt.
Es gibt aber immer noch plausible Gründe für die Befürchtung, dass der Straßenverkehr zwischen Berlin und Schönefeld kollabieren wird, sobald der BER in Betrieb geht.
Ja, ich rede seit Jahren davon, dass da etwas passieren muss. Unsere Infrastrukturministerin sieht das offenbar anders – aber da wir als Gemeinde weder für Landes- noch für Bundesstraßen zuständig sind, sind mir die Hände gebunden. Es kann ja nicht immer so laufen wie bei der neuen Autobahnanschlussstelle Hubertus, die wir bezahlen, weil der Bund und das Land sich nicht in der Pflicht sehen. Nebenan planen wir mit der Bahn einen neuen Regionalhalt, damit die Leute aus der Lausitz in ein paar Jahren schnell hierher zur Arbeit kommen. Das wäre eigentlich auch eine Landesaufgabe. Übrigens haben wir schon 1992 im Flächennutzungsplan eine Trasse für die Verlängerung der U-Bahn von Rudow vorgesehen. Da die ursprünglich geplante Strecke vom Bahnhof Schönefeld zum Terminal genau das künftige Regierungsterminal unterqueren würde, haben wir gemeinsam mit Berlin und dem Land Brandenburg eine neue Machbarkeitsstudie beauftragt. Der erste Teil davon liegt dem Berliner Senat offenbar jetzt vor, wie ich aus der Zeitung erfahren habe.
Erfahren Sie öfter mal Sachen aus der Zeitung, weil die Berliner Politik Sie vergisst oder nicht ernst nimmt?
Eigentlich kann ich mich nicht beklagen. Denen in Berlin ist schon klar, dass wir hier ihren Flughafen haben und sie uns brauchen. Ich habe sowohl mit den Bezirksbürgermeistern von Neukölln und Treptow-Köpenick als auch mit den Regierenden von Diepgen über Wowereit bis Müller durchweg gut und vertrauensvoll zusammengearbeitet.