Durchgecheckt
Lukas Klünter, 23, spielt seit 2018 in der Abwehr für Hertha BSC. Foto: dpa
Herr Klünter, Sie mussten zwei Wochen in häuslicher Quarantäne verbringen, weil einer Ihrer Teamkollegen positiv auf das Coronavirus getestet worden war. Was haben Sie als Erstes gemacht, als es vorbei war?
Ich bin erst mal einkaufen gegangen, weil der Kühlschrank relativ leer war. Wir waren zwar ganz gut ausgestattet, aber am letzten Tag ist es ein bisschen eng geworden. Sonst haben meine Freundin und ich die häusliche Quarantäne eigentlich ganz gut über die Bühne gebracht. Wir haben, wie das gerade viele tun, versucht, die Zeit sinnvoll zu nutzen. Auch mit Dingen, die sonst zu kurz kommen. Wir haben angefangen zu malen, sind ein bisschen kreativ geworden.
Was vermissen Sie ganz besonders am fehlenden Fußball?
Die Kommunikation mit den Kollegen. Aber ich glaube, das ist bei jedem Fußballer so, egal ob in der Ersten Liga, der Zweiten, der Dritten oder ganz unten. Dass du mit deiner Mannschaft zusammen bist, ein paar Witze machst, das fehlt. Und das ist wirklich ein großer Einschnitt.
Besteht derzeit überhaupt Kontakt zu Ihren Mitspielern?
Wir schreiben. Mit dem einen mehr, mit dem anderen weniger. Wir haben auch Videokonferenzen mit den Trainingsgruppen. Da sieht man sich zumindest mal wieder und kann ein bisschen quatschen. Aber die kleinen Spielereien untereinander, die bleiben natürlich auf der Strecke.
Wie sieht Ihr Trainingsalltag aus?
In den beiden Wochen, in denen wir zu Hause bleiben mussten, haben wir viel auf dem Spinning-Bike gemacht. Jetzt dürfen wir wenigstens zum Laufen wieder raus. Die Umstellung ist schon groß, die Umfänge sind intensiv. Da hat sich der Athletiktrainer einiges einfallen lassen. Die Beine haben am Anfang schon sehr stark gebrannt. Aber das legt sich nach zwei, drei Tagen auch wieder.
Wie fit fühlen Sie sich?
Wenn man jeden Tag Sport macht, jeden Tag auf dem Fußballplatz steht, jeden Tag Zweikämpfe führt und dann zwei Wochen lang nur auf dem Fahrrad sitzt, dann ist es natürlich ein anderes Gefühl. Aber das Programm ist nicht unbedingt weniger anstrengend, und die Fitness nicht unbedingt schlechter. Im Gegenteil. Ich habe auch noch viel zusätzlich für meinen Körper gemacht. Gerade in dieser Zeit kann man noch mal das eine oder andere auflegen. Man muss aus dieser Situation auch das Positive mitnehmen. Wann hat man schon mal so viel Zeit, an sich zu arbeiten, und so viel Anleitung vom Trainerteam?
Aber mit dem Ball können Sie derzeit nicht trainieren.
Ich habe das Glück, dass zu meiner Wohnung ein kleiner Garten gehört. Da habe ich ein Rebound-Netz, so dass man ein bisschen mit sich alleine spielen kann. Es ist nicht ganz wie draußen auf dem Platz, aber in den nächsten Tagen werde ich da noch ein bisschen vorstehen.
Ist es nicht absurd, dass die Bundesliga schon Anfang Mai ihren Betrieb wieder aufnehmen will?
Das ist eine verrückte Situation. Aber den Plan zu haben, dass es mit dem Fußball weitergeht und sich dafür ein Datum zu setzen – das finde ich jetzt erst einmal gar keine falsche Idee. Und ich stelle mich lieber darauf ein, dass es losgeht, und bereite mich dafür vor. Das mache ich jeden Tag hier zu Hause, mit dem Training, mit der Ernährung, mit dem Verhalten.
Aufgezeichnet von Stefan Hermanns.