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Antonio Rohrßen (26) abeitet in der Aktivismusförderung und war Mitorganisator der Volksinitiative „Klimanotstand Berlin“. Gemeinsam mit 50 anderen will er jetzt die Partei „radikal:klima“ gründen.
Herr Rohrßen, warum konzentriert sich radikal:klima auf Berlin?
Die meisten von uns sind in Berlin zu Hause und wir sind davon überzeugt, dass wir hier den größten Hebel haben. Die UN prognostiziert, dass die Metropolen zum Treiber der Klimakrise werden. Gleichzeitig haben Städte die größte Chance, die Klimakrise aufzuhalten. Wir sehen das als Aufforderung. Berlin hat eine große Strahlkraft für Deutschland und Europa. Wenn wir den Wandel hier schaffen, dann auch anderswo.
Die Verkehrs- und Umweltpolitik wird in Berlin von der grünen Senatorin Regine Günther gemacht. Sie werfen ihr „Lippenbekenntnisse“ vor. Warum?
Wir kritisieren den ganzen Senat, das gilt nicht nur für Frau Günther. Rot-Rot-Grün hat der Klimapolitik kaum Fortschritte gemacht. Man hat die Klimanotlage erklärt, aber daraus folgt zu wenig. Die Koaliton kann sich lediglich vorstellen, Verbrennungsmotoren bis 2035 aus Berlin zu verbannen. Unseren Berechnungen zufolge reicht das aber nicht. Wir brauchen schon 2030 eine Netto-Null-Emission.
Was würden diese Netto-Null-Emission für Berlin konkret bedeuten?
Beim Bauen müssen wir erneuerbare Baustoffe nutzen, die in der Produktion weniger CO2 verbrauchen. Im Sektor Energie müssen wir komplett auf erneuerbare Energien setzen und die Netze umbauen. In der Solarenergie haben wir ein großes Potenzial, auch Geothermie ist interessant. Für den Bedarf, den wir nicht decken können, wäre eine Kooperation mit Brandenburg sinnvoll. Aus der Auto-Stadt muss eine Fahrrad- und Fußgängerstadt werden, die das beste ÖPNV-Angebot der Welt bekommt. Stichwort Luftverkehr: Nur weil keine Flugzeuge mehr fliegen, kommt das weltweite Leben nicht zum Erliegen. Wir müssen uns als Gesellschaft – und auch als BerlinerInnen – überlegen, wofür wir unsere Ressourcen einsetzen und was eher als Luxusgut gilt. In der Pandemie sieht man ja gerade, dass Verzicht durchaus möglich ist.
Umfragen zufolge könnte die Grünen in Berlin bei der Abgeordnetenhauswahl 2021 erstmals stärkste Kraft werden. Riskiert eine weitere Öko-Partei nicht den Erfolg der anderen?
Ich glaube nicht. Wir sind ein Gegenangebot für alle, die mit der Klimapolitik aller Parteien nicht mehr zufrieden sind. Unser Potenzial sehen wir vor allem auch bei Erst- und NichtwählerInnen.
Ihre Partei soll mehr „Idealismus ins Abgeordnetenhaus“ bringen. Was bedeutet das?
In der Klimabewegung haben wir Gespräche mit PolitikerInnen aus dem Abgeordnetenhaus geführt. Das Verständnis für die Problematik des Klimanotstands war da, aber nicht die Überzeugung, dass es möglich ist, etwas zu verändern. Da wollen wir mit viel Idealismus dagegenhalten. Wir sind ein positiver Gegenentwurf.
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Das Interview führte Felix Hackenbruch.