Ist Berlin wirklich so wenig lebenswert?
In Deutschland kann man in 37 Städten besser leben als in Berlin, behauptet die „Wirtschaftswoche“. Kein Wunder bei den Kriterien. Eine Checkpoint-Glosse. Von Lorenz Maroldt
Foto: Fotalia
„Wohnen Sie in der richtigen Stadt?“, fragt die „Wirtschaftswoche“. Na logo! Aber um sicher zu gehen, investieren wir für Sie doch gleich mal 6,90 Euro aus der Checkpoint-Partykasse… und stellen fest: Die Düsseldorfer Redaktion hat komische Vorstellungen von „Stadt“. Arbeit, Wirtschaft und Immobilien sind die wichtigsten Kriterien, kein Wunder, dass München da vorne liegt – und der Vorsprung vor Ingolstadt (2) und Stuttgart (3) wäre mit einem Langweiligkeitsfaktor sicher noch größer ausgefallen (Beschwerdemails aus dem Süden der Republik und von der falschen Rheinseite bitte direkt an „Der-Regierende-Buergermeister@senatskanzlei.berlin.de“, die sind zuständig für die Berliner Medien).
Unser Städtchen landet übrigens auf Platz 38 (inkl. Kategorie 4, „Lebensqualität“) - „richtiger“ als Berlin sind angeblich nach München, Ingolstadt und Stuttgart (in dieser Reihenfolge): Erlangen, Frankfurt am Main, Wolfsburg, Ulm, Regensburg, Hamburg, Darmstadt, Würzburg, Heilbronn, Mainz, Düsseldorf, Karlsruhe, Freiburg, Wiesbaden, Nürnberg, Potsdam, Münster, Bonn, Heidelberg, Fürth, Mannheim, Augsburg, Braunschweig, Köln, Jena, Hannover, Pforzheim, Oldenburg, Dresden, Offenbach, Koblenz, Ludwigshafen, Leverkusen und Osnabrück.
Aber bevor Sie jetzt laut loslachen – warten Sie lieber noch einen Moment. Blättern wir mal im „Handelsblatt“, der großen „WiWo“-Schwester, nur ein paar Tage zurück… und was lesen wir da auf der Titelseite? „Traumstadt Berlin“ – na also, geht doch! „Die Bundeshauptstadt ist die Metropole mit der höchsten wirtschaftlichen und demografischen Dynamik in Deutschland“, und es wird noch besser, versprochen: „Das mag viele Berliner erstaunen“, steht da, wirklich – und wir fügen fröhlich hinzu: und viele Düsseldorfer ebenso.