Wenn Schwarze Löcher die Spree schlucken
Von Relativitätstheorie bis Stand-up-Paddling gibt es am Wochenende in Berlin wieder viel zu erleben. Unser Kolumnist hat die besten Ideen zusammengetragen. Von Thomas Wochnik
Foto: ESO/M. Kornmesser/dpa
Samstagmorgen – Eine „Mall“, englisch für Einkaufszentrum, mit Sprachwitz, ist schon eine Seltenheit. Falls die Betreiber der Reinickendorfer „NochMall“ einen Clown gefrühstückt haben, dann sicherlich einen aus nachhaltiger Aufzucht. Hier gibt es nämlich ausschließlich Gebrauchtwaren, ganz im Sinne der Nachhaltigkeit. Wie Kollege Hackenbruch schon am Donnerstag schrieb, ist der Betreiber niemand anderer als die BSR, auch bekannt als stadtgrößter Betreiber von Frühstücksclowns-Farmen. Weil die Idee so gut ist, sagen wir es an dieser Stelle nochmal. Um 12 Uhr werden die großzügigen 2500 Quadratmeter Verkaufsfläche in der Auguste-Viktoria-Allee 99 (U Kurt-Schumacher-Platz) feierlich eröffnet. Details in Gerd Appenzellers Tagesspiegel Leute Newsletter.
Samstagmittag – Während Nachhaltigkeit zum Zweck der Erhaltung von Lebensbedingungen noch immer umständlich argumentiert werden muss, ist die Erhaltung menschlichen Lebens eine Selbstverständlichkeit – finde den Fehler. Einen Einblick in die letzten 300 Jahre des menschlichen Strebens nach Lebenserhaltung gibt die medizinhistorische Führung über den Campus Charité. Treffpunkt ist am Bettenhaus, Luisenstraße 7, um 14 Uhr, Dauer 2 Stunden, Tickets kosten 18 Euro.
Samstagabend – Der Programmtitel liest sich, je nachdem, als Verheißung einer besseren Zukunft oder als Warnung: „We are getting closer!“ umfasst u.a. eine Klanginstallation von Wahlberliner Peter Cusack (ab 17 Uhr), in der er über Jahre gesammelte Klänge vom immer weiter verschwindenden Aralsee verarbeitet. Zeitgleich ist nebenan eine Installation von Hanno Leichtmann mit Klängen des Schlagwerks von Ausnahmekomponist Harry Parch zu hören (Eintritt frei). Ab 20 Uhr stellt das Solistenensemble Kaleidoskop mit dem Ensemble Anika (Tickets 16/12 Euro) im Konzert Stücke von Lutoslawski und Nico einander gegenüber – so kommen hier doch einige sehr unterschiedliche Ansätze einander näher. All dem näher kommt man im Radialsystem, Holzmarktstraße 33
Sonntagmorgen – Mit Wellen kennt man sich im Funkhaus Nalepastraße schon lange bestens aus. Der ehemalige Sitz des DDR-Rundfunks verstand sich in Zeiten der Dauerwelle auf Funkwellen, bei unzähligen Musikveranstaltungen der letzten Jahre lag das Ohrenmerk auf Schallwellen. Zuletzt gewinnen hier die Bugwellen vorbeiziehender Boote an Bedeutung, wie Angie Pohlers im Tagesspiegel schreibt. Mit denen umzugehen, müssen Stand-Up-Paddler nämlich als Erstes lernen, um den Körperkontakt mit dem brackigen Spreewasser zu minimieren. Der Paddelbrett-Verleih (14 Euro pro Stunde) öffnet Sa von 10-21 Uhr, So bis 20 Uhr. 14 Euro kostet die Stunde. Nalepastraße 18
Sonntagmittag – Aber Obacht: Wer beim Stand-Up-Paddeln richtig gut ist und bei ordentlich Rückenwind Lichtgeschwindigkeit erreicht, könnte unversehens ein Schwarzes Loch erzeugen und die Spree in den Abgrund reißen. Zu sehen wäre das von außen zum Glück nicht, weil auch das Licht verschluckt würde. Glauben Sie nicht? Um 17 Uhr zeigt das Zeiss-Großplanetarium in der Prenzlauer Allee 80 ein Special zu Schwarzen Löchern mit sensationellen Visualisierungen des Unsichtbaren und ein wenig allgemein verständlicher Relativitätstheorie, die auch für Stand-Up-Paddler gilt. Tickets zu 9/7 Euro, S-Bahnhof Prenzlauer Allee
Sonntagabend – Zum Wochenendeende noch eine Flucht aus dem dem Alltag, oder besser: eine ganze Fluchtenreihe, denn die Pianistin Violetta Khachikyan widmet sich im Pianosalon Christophori einen Abend lang eben der musikalischen Form, mit der sich Komponist:innen seit dem Barock die Mehrstimmigkeit erschlossen, der Fuge. Und die Fuge ist, einfach ausgedrückt, eine musikalische Verfolgungsjagd, in der ein Thema dem anderen nachstellt, wie in einem guten Action-Streifen. Auf dem Programm stehen Blockbuster von Beethoven, Schumann, Mendelssohn, Tanejew und Franck. Ab 20 Uhr in den Uferhallen, Uferstraße 8, U-Bhf Pankstraße. Tickets kosten 20 Euro. Wer stattdessen eine Leinwand mit bewegtem Flimmerbild bevorzugt und seine Krimis am liebsten geheimnisvoll verknobelt serviert bekommt, findet sicher am großartig komischen „Knives Out – Mord ist Familiensache“ Gefallen. Freiluftkino Rehberge, 21 Uhr. Tickets kosten 8,50/5 Euro