Klimafreundlich essen
Am Alexanderplatz findet heute „Berlin isst fürs Klima statt“. Bis 17 Uhr werden liegen gebliebene Kartoffeln zubereitet und zum Essen angeboten.
Samstagmorgen – Mit lockerem Spruch und einem ausgefallenen Tipp ins Wochenende ein- und aus dieser Woche auszusteigen – business as usual – ist nach Halle und der Situation in Syrien nicht drin. Dabei hatte die Woche mit überraschender Friedfertigkeit begonnen. Montags die unbequemen Extinction-Rebellion-Aktionen, die, nur mal zur Vergegenwärtigung, gerade mal zwei von 190 Teil- oder Vollsperrungen in der Stadt verursacht haben (Quelle: VIZ am Montag). Bemerkenswert war dabei der konsequente Verzicht auf physische Gewalt. Man kann das gar nicht genug unterstreichen: Wer in Berlin eine Aktion mit zivilem Ungehorsam ankündigt, kann sich in der Regel noch so deutlich gegen Gewalt aussprechen – sie kommt trotzdem in Form von nur darauf wartenden Opportunisten. Aber nicht hier, weshalb sich die Proteste nur schwer skandalisieren lassen, obwohl das manch einer allzu gern würde. Das Thema Skandalisierung ist auch Thema im ICI Kulturlabor, ab 10 Uhr im Pfefferberg. Um 11 hält der Literaturwissenschaftler und Skandalexperte Johannes Franzen einen Vortrag über das Skandalgedicht – alles weitere hier.
Samstagmittag – Trotz generalstabsmäßiger Organisation hat die Zulieferung von Lebensmitteln hier und da schon mal auf sich warten lassen. Mit „Berlin isst für's Klima“ gibt es heute einen Ausgleich. Dabei werden überschüssige Lebensmittel, die wegen bloßer Schönheitsfehler normalerweise im Müll landen, zu schmackhaften Mahlzeiten verarbeitet – versprechen zumindest die Veranstalter und Verbraucherschutzsenator Dirk Behrnedt, der sich freiwillig zum Vorkosten gemeldet hat, nahe der Weltzeituhr am Alexanderplatz. Den anschließenden Vedauungsspaziergang kann man bei diesem Wetter gut in der Zionskirche absolvieren. Dort ist die begehbare, labyrinthartige Installation „Labystan“ des Künstlers Rainer Zabka aufgebaut, die aus der globalen Geschichte der friedlichen Revolutionen – Vorläufer der heutigen Protestkultur – erzählt, mit einigen Anspielungen auf Oppositionelle und Dissidentinnen der DDR. Eintritt frei, Zionskirchplatz
Samstagabend – Auch am Wannsee werden heute bis morgen Mittag Blockaden gelöst – sofern es sich um Schreibblockaden handelt. Das Literarische Colloquium hat zahlreiche Comic-Zeichnerinnen eingeladen, um bei diesem 24-stündigen Comic-Zeichen-Happening ein vollständiges Comic anzufertigen. Ab 19.30 Uhr ist die Veranstaltung für zwei Stunden für interessiertes Publikum geöffnet, welches eine Führung erwartet, eine Podiumsdiskussion und der Blick über die Schulter der Zeichner (Am Sandwerder 5, Eintritt frei). Am Rande der Ankündigung steht auch etwas von Jazz. Sicherlich mehr davon gibt es aber im House of Music (Revaler Straße 99, Friedrichshain). Bill Frisell, bekannt unter anderem aus John Zorns Naked City, hat mit seinem charakteristischen Stil so viele Gitarristinnen weltweit beeinflusst, wie nur wenige. Mit ihm auf der Bühne: Petra Haden, Hank Roberts und Luke Bergman. Einlass 20 Uhr, Eintritt 35 Euro
Sonntagmorgen – Was ist eigentlich wirklich jüdisch? Wie vielfältig die Antworten ausfallen, zeigt die Ausstellung „A wie jüdisch“ im Jüdischen Museum. Der Fokus liegt hier weniger auf der Geschichte des Judentums als auf der so philosophischen wie konkreten Frage, was es aktuell bedeutet, hier und heute jüdisch zu sein, mit welchen Rollen und Klischees man konfrontiert wird, wie man feiert, welchen Stellenwert gelebte Religiösität hat, wie sie aussehen kann und nicht zuletzt, mit welchen Bedrohungen Juden in Deutschland heute rechnen. Um die Antworten keinen falschen Propheten und anderen Antisemiten zu überlassen, gibt es jeden Sonntag um 11 Uhr eine Führung durch die 22 alphabetisch sortierten Stationen (Lindenstraße 9-14, Treffpunkt Foyer, 3 Euro + Museumsticket zu 8/ 3 Euro).
Sonntagmittag – Die vorletzte Gelegenheit, dieses Jahr an einem „Open Rehearsal“ in der Werkhalle Wiesenburg teilzunehmen, gibt es ab 14 Uhr in Gesundbrunnen (Wiesenstraße 55, S-Bhf Humboldthain). Ein speziell für das Event zusammengestelltes Ensemble führt nach minimaler Probenzeit Werke aus Klassik und neuer Musik auf (nach der Probe beginnt unmittelbar im Anschluss um 20.30 Uhr das Konzert). Erweitert ist das Programm visuell um die Ausstellung von Jon Konkols „Series of devastating Mistakes“, dessen ironischer Bezug zur Musik auf der Hand liegt. Im Musikprogramm stehen Bartoks Duos für Violine, Beethovens Rasumovsky Quartette und eine neue Komposition von Ohad Cohen.
Sonntagabend – Dass musikalische Ensembles, sei es das DSO oder unsere Checkpoint-Band, sensible Geschöpfe sind, an denen sich exemplarisch die Funktionsmechanismen ganzer Gesellschaften zeigen, ist ein alter Hut. Joana Tischkau reflektiert die Fragilität sozialer Konstruktionen in ihrem Tanzstück „Being Pink Ain't Easy“ um 19 Uhr in den Sophiensaelen, wobei sie der Zerbrechlicheit solcher Gefüge Bilder übersteigerter Männlichkeit aus der US-Rap-Welt gegenüberstellt. Apropos alter Hut: Der springende Punkt an einem solchen ist, dass es sich eben um einen Hut handelt, womit wir schon mit einem Tanzbein im Theater der Dinge angelangt wären. Im Anschluss an Tischkaus Performance betritt um 20.30 Uhr Jaha Koo die Bühne in Begleitung dreier Reiskocher. Und mit denen erzählt sie eine Geschichte der Zerbrechlichkeit sozialer wie individueller Gefüge in Südkorea – einer der Gesellschaften mit höchstem Leistungsdruck und entsprechenden Suizidraten. „Cuckoo“ (englisch: verrückt) heißt ihr Stück, wie die Marke der drei Reiskocher. Mit den beiden Stücken endet das After-Europe-Festival, dessen ganzes Programm hier zu finden ist. Sophienstraße 18, Mitte, U-Bhf Weinmeisterstraße