Wo Sie ein Museum gestalten, Musik aus weiter Ferne hören und Grundrechenarten übern können
Samstagmorgen – Wer zum Wochenende überschüssigen Gestaltungswillen verspürt, gestalte doch ein Museum. Das in Planung befindliche Exilmuseum am Anhalter Bahnhof ruft ausdrücklich zur Beteiligung an seiner Entwicklung auf. Zum Vorab-Eindruck und zur Info öffnet heute um 11 Uhr die Freiluftausstellung ZU/FLUCHT, von TU-Studierenden aus sechs ausgedienten Wohncontainern erbaut, in denen zuvor geflüchtete Menschen untergebracht waren. Thematisch wird ein Bogen gespannt von aus NS-Deutschland zwischen ’33 und ’45 vertriebenen Menschen, die in anderen Ländern Zuflucht fanden, zu dem Deutschland, in dem Menschen heute Zuflucht suchen.
Samstagmittag – Eine andere Art der Partizipation bieten seit jeher Klanginstallationen, deren Wirkung maßgeblich vom räumlichen Hören des Publikums mitbestimmt wird. Musik, weiter entfernt von Rolf Julius ist dafür ein Paradebeispiel. Erstmals 1999 für die Parochialkirche (Klosterstraße) geschaffen, tönt ihre vom Singuhr e.V. akribisch und weitgehend aus Originalmaterialien rekonstruierte Fassung nur noch heute und morgen von 14 bis 20 Uhr. Eintritt frei.
Samstagabend – Ein wahres Berliner Märchen erzählt die Protest-Oper und Demo Wem gehört Lauratibor?. Unter dem Druck von Ausverkauf und Verdrängung entstand im Reichenberger Kiez schon 2019 die Idee, die Vorgänge künstlerisch zu verarbeiten – bis hierhin (leider) keine Besonderheit im Hauptstadtalltag. Besonders ist aber, was mittlerweile daraus geworden ist: Ein fulminantes, mehrstündiges Gesamtkunstwerk mit zwei Chören, einer Band, etwa zwanzig Solist:innen, über Hundert Beteiligten und einem vor Dringlichkeit strotzenden Bezug zu seinem Aufführungsort. 17.30 bis 21.30 Uhr, Ecke Reichenberger-/Ratiborstraße.
Wer am Sonntagmorgen über den Gendarmenmarkt flaniert, versuche, ohne hinzuschauen, die Anzahl der Säulen an der Konzerthausfront zu schätzen. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden Sie sich um fünf vertun, die in Schinkels Originalplänen gar nicht erwähnt werden. Dabei handelt es sich keineswegs um Pfusch am Bau, sondern um eine gigantische Fotoinstallation der Künstlerin Bettina Pousttchi namens Amplifier, zu deutsch: Verstärker. Verstärkt wurde hiermit die im Lockdown still gewordene Präsenz des Konzerthauses.
Sonntagmittag – Apropos Verstärker: Barbara Morgenstern wird vielen Berliner:innen längst aus ihren Kooperationen mit der Theatergruppe Rimini Protokoll und als Leiterin des Hauschors des HKW bekannt sein. Heute zeigt sie sich im Tanzring im Volkspark Rehberge mit Bertil Thomas live und elektrisch verstärkt, ab 16 Uhr beim Open-Air-Kopfhörerkonzert. Tickets kosten ab 14,50 Euro, Getränke und Picknickdecken sind bei Bedarf selbst mitzubringen.
Sonntagabend – Eigentlich wollten alle Indoor-Kinos den Betrieb zwar erst zum 1. Juli gemeinsam wiederaufnehmen. Den Querulanten mimt das Kino Central in Mitte, das schon seit Donnerstag täglich mit The Mauretanian (OmU) einen Politthriller zeigt, der von der jeder Rechtsgrundlage entbehrenden Inhaftierung von Mohamedou Ould Slahi im Gefangenenlager Guantanamo Bay handelt. 20.30 Uhr und 21 Uhr, Tickets zu 10 Euro