Kunstfabriken und Freizeit im Schleudergang
Samstagmorgen – Wer nach all der Monotonie der letzten Monate endlich wieder mehr künstlerische Zerstreuung möchte, findet sie im Tropez im Sommerbad Humboldthain (Wiesenstraße 1, 10 bis 18 Uhr). Seit über einem Jahr werkeln schließlich auch zahlreiche Künstler:innen schon vor sich hin und verarbeiten die Pandemiefolgen in bislang ungezeigten Arbeiten. In der Gruppenausstellung „Touche Moi“ (berühre mich) zeigen gleich 13 Artist:innen ihre Gedankenspiele zum Thema Abstand / Nähe, und wer den Jahreszeiten vorausgreifen will, kann für 3,80 Euro (online zu buchen) sogar einen Sprung ins kühle Nass des Sommerbads unternehmen.
Samstagmittag – Wer doch nicht baden war, aber gern wäre, lässt stellvertretend sein Mittagessen ins Wasser. Ausgezeichnete Dumplings gibt es zum Beispiel bei Marubi am Senefelderplatz. Wer sich nach dem Essen die Beine vertreten möchte, erklimmt den gleich daneben gelegenen Pfefferberg. Auf dessen Gipfelplateau, links am Theater vorbei, kommt man in den zweiten Hof und blickt auf Olaffur Eliassons imposante Kunstfabrik. Das große, mit einem schwarzen Netz bespannte Gebilde in der Hofmitte ist das Oberlicht von Ai Wei Weis unterirdischer Produktionsstätte, die trotz seines Umzugs weiter aktiv ist. Wer Kunst sehen, statt nur imaginieren möchte, besucht den ebenfalls hier gelegenen Projektraum Meinblau, der eine Installation des peruanischen Künstlers Julio Lugon (Mi – So 14 – 20 Uhr, Eintritt frei) zeigt. Sehr guten Kaffee bekommen Sie übrigens in der Bäckerei Brodstätte am Ausgang zur Christinenstraße.
Samstagabend – Nach all der Bewegung etwas Hirnnahrung, schließlich endet an diesem Wochenende auch die Leipziger Buchmesse. Ulrike Edschmid hat kürzlich den Roman „Levys Testament“ (Suhrkamp 2021) veröffentlicht, der vom Winter 1972 erzählt: Von einer Frau, die ins Visier der Terrorfahndung gerät und ausgerechnet nach London flieht, wo soziale Kämpfe ausgefochten werden und die IRA allgegenwärtig ist. Im Gespräch im Literarischen Colloquium dürfte Edschmid so einiges an Erinnerungen aus diesem anderen Ausnahmezustand zu berichten haben. Zu hören ab 20.05 Uhr im Deutschlandfunk.
Sonntagmorgen – In den Grundschulen dieser Stadt macht seit letzter Woche angeblich eine Nachricht die Runde: Karls Erlebnisdorf Elstal hat wieder geöffnet und bietet mit skurrilen Flug-, Fall- und Drehapparaturen wie dem „Fliegenden Regenschirm“ oder dem „Zuckerstangendrehturm“ lauter nützlich oder essbar klingende Möglichkeiten. In Wahrheit ist das alles nur dazu da, den eigenen Körper in den Schleudergang zu versetzen, kräftig durchzurütteln und sich maßlos zu verausgaben. Freilaufende Schafe und Hühner gibt es außerdem auch. Und Meerschweinchen, was will man mehr? Tickets kosten 12 Euro.
Sonntagmittag – Das Berliner Künstlerprogramm des DAAD vergibt jährlich Stipendien an international herausragende Künstler:innen der Gegenwart. Dieses Jahr an die US-Künstlerin Matana Roberts, deren Arbeit bis 27. Juni in der DAAD-Galerie (Oranienstraße 161, U-Bhf. Moritzplatz) zu sehen ist. In ihrer Installation We Hold These Truths setzt sie sich mit der Kakophonie der US-Gesellschaft im letzten Jahr auseinander: 50 Lautsprecher bilden die 50 US-Bundesstaaten ab, ihre unterschiedlichen Qualitäten beziehen sich auf Klassen und die Vielschichtigkeit des Landes, die in Kontexten wie der Präsidentschaftswahl, der „Black Lives Matter“-Bewegung, der Pandemie oder der Stürmung des Kapitols miteinander wechselwirken. An die Wände projizierte Foto- und Videocollagen erweitern das Ganze um eine weitere Ebene, sodass insgesamt ein mächtiges, immersives und politisch aufgeladenes Gefüge entsteht, das keine Distanz zu den Ereignissen zulässt. Wieso sollte es auch? Zeitfenstertickets von 12 bis 18.30 Uhr gibt es hier.
Sonntagabend – Die Freiluftkinos der Stadt sind längst ausgebucht. Alle Freiluftkinos? Nicht ganz, in der Hasenheide gibt es zum Wochenendeende noch einige Tickets ab 9 / 5 Euro für Pablo Larrains kultigen Film Ema (spanisch OmU, FSK 16, 21.30 Uhr), der 2019 in Venedig für den goldenen Löwen nominiert war und die Geschichte einer wilden Nacht in Valparaiso erzählt.