Von Nichtstun, Hellersdorfer Heldengeschichten und Meeresfrüchte in Prenzlauer Berg
Samstagmorgen – Dass das Wochenende aus bloßem Nichtstun besteht, ist natürlich ein Märchen. Richtiges Nichtstun will gelernt sein, bedarf einiger Planung und einer ganzen Menge Übung, wenn man den Stoikern oder Zen-Anhänger:innen glaubt. Zur Erlangung des persönlichen Nichts hat die Hamburger Hochschule für Bildende Künste ein Stipendium ausgelost, und zwar unter dem Motto: „Schule der Folgenlosigkeit“. Bewerbungensfrist ist der 15. September und dieses Wochenende die perfekte Gelegenheit, sich einmal zu überlegen, was man alles nicht tun möchte. Die besten, sprich folgenlosesten Einfälle, werden mit immerhin 1600 Euro belohnt. Mitmachen darf jedermensch, Details hier. Wer seine leere Zeit aber lieber vertrödeln möchte, kann sich auch in den Garten des Keramikmuseums begeben. Da ist heute und morgen ein Keramiktrödel aufgebaut, der die Resultate höchst ineffizienten, präindustriellen Töpferhandwerks zum Verprassen nutzloser Überschüsse bietet. Schustehrusstraße 13, Charlottenburg, 11-17 Uhr
Samstagmittag – Ein berühmter Sprachwissenschaftler (sein Name unterliegt dem Informantenschutz) hat herausgefunden, dass die allgemeine Beliebtheit des Bezirks Hellersdorf auch seinem Namen zu verdanken ist, in dem unterschiedliche Leser:innen unterschiedliches erkennen. Etwa „Hell“, was für Liebhaber des Lichts wie der Finsternis (je nachdem ob man es deutsch oder englisch liest) gleichermaßen funktioniert, aber auch „Helles“ oder „Held“ lassen sich mit den Buchstaben auf Anhieb bilden. Anagramme wie „Los Feldherr!“, „Dr. Fehlerlos“ oder „LSD, leer & froh“ weisen auf die kulturelle Vielfalt des Bezirks hin. Heute ist Hellersdorf aber noch attraktiver als sonst: Mit dem HellD Festival im Bürgergarten Helle Oase wird der Bezirk nämlich zum Mittelpunkt seiner selbst. Von 15 bis 22 Uhr gibt es Konzerte und Workshops von lokalen Größen wie RAS, Odd Couple und der Jakob Dobers Band…
Samstagsverlosung – …und von diesen dreien verlosen wir je eine Platte (LP) unter allen, die uns bis 18 Uhr schreiben (ausgelost wird am Montag).
Samstagabend – Wer zu DRR-Zeiten in der Straßburger Straße wohnte, erinnert sich sicher an den Gestank, für den die Nachbarschaft berüchtigt war: Der Prenzlberger Große Wasserspeicher diente als Fischlagerhalle und etwa einmal die Woche wurde durchgespült. Das tranreiche Wasser lief den Hügel hinab und markierte ein pseudo-maritimes Lebensgefühl ohne Meerblick. Seit 1994 dienen die Räume der Kunst, heute Abend dringen Klänge der (ausverkauften) Bohemiandrips-Reihe durch den Torspalt. Meeresfrüchte, sehr schmackhaft zubereitet, gibt heute vis-à-vis im Aromi e Sapori (Straßburger Straße 29, unbedingt reservieren).
Sonntagmorgen – Dass es alles andere als Nichtstun ist, Getanes rückgängig zu machen, wird im Deutschen Technikmuseum deutlich. Bis vor Kurzem war dort eine Installation zu sehen, die die Herabsetzung versklavter Menschen zur bloßen Handelsware versinnbildlichen sollte. Kritiker:innen wandten ein, dass das Werk eine einseitige Reproduktion von Klischees zeige, über die es nicht hinauskommt. Dass es neben dem Opfernarrativ zum Beispiel auch einen heute weitgehend unbekannten Widerstand gab und viel mehr zu dieser Geschichte gehört, soll die Folgeinstallation zeigen. Aber zunächst wird die bisherige abgerissen, was Onilola Olayemi Ilupeju und Philip Kojo Metz mit künstlerischen Performances begleiten. Ab 11 Uhr im Stream.
Sonntagmittag – Der Tanz im August kam dieses Jahr vor allem als Ausweichtango in Straßen, Bussen und Bahnen, mit teils akrobatischen Manövern, gewagten Posen und (hoffentlich vorhandener) Gesichtskostümierung daher. Ein Bisschen, gerade so viel wie möglich, des altbekannten Festivals, findet heute um 16 Uhr in den Uferstudios in Gesundbrunnen (Uferstraße 8, U-Bhf Pankstraße) statt: „Zerstreuung überall!“ heißt ein Radiobalett des Hamburger Kollektivs „LIGNA“ mit Beiträgen von dreizehn internationalen Künstler:innen und enthält auch ein bisschen was zum Mitmachen. Tickets kosten 5 Euro.
Sonntagabend – Nach sechs Jahren abwechslungsreichen Betriebs feiern die Betreiber der Alten Münze sich selbst und den interdisziplinären Austausch mit einem Sommerfest. Zeichenkurse, Pflanzenmarkt, Yoga, Musik, eine vegane Bäckerei, Spiele und vor allem der Einblick in offene Ateliers, Projekträume, Studios und unbekannte Winkel des Areals bedeuten in der Zeit von 12 bis 22 Uhr alles andere als Tatenlosigkeit zum Wochenendeende. Am Krögel 2 (Mitte), U-Bhf Klosterstraße, Eintritt frei