Wenn das SO36 mit Picknick im Freiluftkino Kreuzberg Geburtstag feiert
Vieles ist dieses Jahr anders. Aber der Corona-Sommer bietet auch interessante Erlebnisse – etwa ein Punk-Geburtstag im Park. Die Checkpoint-Wochenendtipps. Von Thomas Wochnik
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Samstagmorgen: Der Wetterbericht ist wegen des gedrosselten Flugverkehrs noch immer unzuverlässig. Die meisten Wetterdienste stellen fürs Wochenende endlich etwas nasse Abkühlung in Aussicht, die nach der unerträglichen Hundswoche niemanden am Ausgehen hindern dürfte. Regenschirme sehen sowieso bei jedem Wetter gut aus und verpassen dem Stadtbild einen Hauch Neo-Rokoko. Vor allem, wenn sie zum Schutz vornehmer Blässe gegen die Sonne dienen und Spitzenapplikationen tragen. Regen bei Hitze führt dagegen zu hoher Luftfeuchtigkeit, und die soll gut für die Haut sein, die Poren öffnen und für den beliebten Plain-Air-Spa-Effekt, a.k.a. Draußensauna, sorgen. Außerdem funktionieren lange, klassische Regenschirmmodelle auch hervorragend als Abstandshalter, sind also sowieso gesund. Der Steglitzer Rolf Lippke (Kieler Straße 6) fertigt traditionell von Hand und nach Kundenwunsch. S- oder U-Bhf Rathaus Steglitz, Sa 10-14 Uhr, Di-Fr 10-18 Uhr
Samstagmittag: Derart charmant überdacht spricht auch nichts gegen ein feucht fröhliches Picknick. Künstlerisches Programm drumherum wird bei den Picknick Konzerten geboten. Um 15 Uhr zum Beispiel skandiert der Schweizer Songwriter Faber im Marienpark (Lankwitzer Straße, Mariendorf) vor ungewohnt harmlos auf dem Parkboden picknickendem Publikum. Einlass ist um 13.30 Uhr, Tickets kosten 49,35 Euro. Sollten die knapp werden, schiebt er um 19.30 Uhr (Einlass 18 Uhr) noch einen zweiten Auftritt hinterher.
Samstagabend: Schirme und Flugfantasien gehen spätestens seit Heinrich Hoffmanns fliegendem Robert Knauf in Hand. Weit weniger gefährlich geht es am Abend bei der Langen Nacht in Beelitz zu: Der Baumkronenpfad, wie der Name schon sagt, ein Pfad auf Baumkronenhöhe, bleibt ausnahmsweise bis 0 Uhr geöffnet und bietet 320 Meter purer Erhabenheit über allen Dingen. Über fast allen, denn, klarer Himmel vorausgesetzt, könnten einige verspätet ankommende Partikel des noch weit höher vorüberziehenden Kometen „109P/Swift-Tuttle“ für Sternschnuppensensationen sorgen. Und für alle, die es beim Hochschauen mit dem Nacken kriegen, rundet ein bodennahes Kunst- und Musikprogramm unter dem Motto „Überirdisch schön“ den Tagesausklang ab. Tickets zu 12,50 Euro vor Ort
Sonntagmorgen: Nachdem das diesjährige Kirschblütenfest ausgefallen ist, behelfen wir uns mit dem Japanmarkt im Festsaal Kreuzberg (Am Flutgraben 2), wo in grüner Biergartenumgebung ein Designmarkt mit japanischem Flair innere Blüten zum blühen bringt. Vielleicht gibt es hier auch Schirme, auf jeden Fall aber japanische Handwerkskunst und Design. Oder Nicht-Sein, wenn man nicht hingeht. Eintritt 3 Euro
Sonntagmittag: Mit 42 feiert man anders, als noch mit Anfang 20, klar. So auch im Fall des SO36, das am 11. August 42 wurde und damit in das weiseste aller Lebensalter kam – die Zahl 42 ist nach Douglas Adams schließlich die Letztantwort auf alle Fragen. Darum besteht auch kein Zweifel daran, dass die Feier zum Ende des Universums statt eines Punkrock-Konzerts eine Art Picknick mit Bingo und Glücksrad im Freiluftkino Kreuzberg sein muss. Diverse Getränke werden feil geboten, die allesamt von befreundeten Läden aus dem Kiez gespendet wurden. Die Erlöse aus dem Verkauf kommen dem Corona-gebeutelten SO36 wie dem ebenso geschundenen Freiluftkino zugute, was ultimatives, solidarisches Kiezkultur-Kolorit verspricht und all jenen ans Herz gelegt sei, die noch nicht ganz begriffen haben, wozu allerorten so viel Aufhebens um die Erhaltung von Kiezen gemacht wird. Tickets zu 11/ 6 Euro gibt es hier.
Sonntagabend: Zum Wochenendeende endet auch die Jazzwoche mit einem schirmgleich über die Stadt gespannten Programm. So steigt das „Lerchenbaum Festival“ um 20.30 Uhr im Gotischen Saal der Galerie Kremers (Schmiedehof 17, am Viktoriapark in Kreuzberg), Johanna Borchert singt und spielt um 21 Uhr im Hotel Orania (Oranienstraße 40, Kreuzberg), gleichzeitig tritt die Marque Loewenthal Band im b-flat auf (Dircksenstraße 40, Mitte), um 21.30 Uhr sind im Club der Polnischen Versager (Ackerstraße 168, Mitte) Andrea Parkins und Yorgos Dimitriadis zu sehen, während gleichzeitig im Zig Zag Club (Hauptstraße 89, Schöneberg) Fabiana Striffler an ihrer „Hot Jazz Violin“ zu hören ist.