Solidarität und Wein und Verführung in der Komischen Oper
Das Opernhaus zeigt Hans-Werner Henzes „Die Bassiraden“. Und auch in HKW und Berliner Ensemble geht es am Wochenende hochkulturell her.
Foto: Monika Ritterhaus
Samstagmorgen – Die ersten Nächte mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt liegen hinter uns, seit der Zeitumstellung wird es mitten am Tag Nacht und die Straßen immer leerer. Perfekte Bedingungen also zum Radfahren, zumal am Ende der Saison Räder und Zubehör wie Licht und Winterreifen besonders günstig zu bekommen sind. Zum Beispiel auf dem letzten Kreuzberger Fahrradmarkt dieses Jahres in der Köpenicker Straße 11 von 10 bis 18 Uhr.
Samstagmittag – Gesunde 25 Minuten dauert die anschließende Fahrt auf zwei sauber zentrierten Laufrädern in die John-Foster-Dulles-Allee. Im HKW, befassen sich die Kunsttheoretikerinnen und Kuratorinnen Paz Guevara, Kristine Khouri und Rasha Salti mit internationalen Solidaritätsbewegungen am Rande des kunsthistorischen Kanons. Mit Blick auf Kuba, Südafrika und vor allem die „Internationale Kunstausstellung für Palästina 1978“ möchte das Programm kunstgeschichtliche Narrative „dezentrieren“. Internationale Soilidaritätsbekundungen, wie sie sich in der Kunst häufen, orientieren sich selten an den offenkundigen diplomatischen Beziehungen sondern schaffen eigene Zusammenhänge. Ab 15 Uhr, Eintritt frei
Samstagabend – Zu den solidarischsten Komponisten des 20. Jahrhunderts zählt sicherlich Hans-Werner Henze. Heute Abend zeigt die Komische Oper seine „Die Bassariden“: Das Reich des König Pentheus ist in der Inszenierung von Barrie Kosky apollinisch nüchtern ausgeleuchtet, das übergroße Orchester zunächst fein säuberlich sortiert. Bald stört ein fremder Verführer die Ordnung mit Wein und Lust bis nichts mehr an seinem Platz ist – nicht das Orchester und nicht einmal der königliche Kopf. Man kann den zugrunde liegenden Stoff als Dystopie inszenieren, in der der Fremde ein Populist ist, der die friedliche Gesellschaft stört. Man kann aber auch ein, wie Max Weber sagen würde, entmenschlichtes Vernunftsregime im Reich von Pentheus vermuten, dessen dionysischer Exzess eine unausweichlich ist – und der Fremde ein Revoluzzer. Kosky streift beide Möglichkeiten. Karten ab 12 Euro, Behrenstraße 55-57
Sonntagmorgen – Alljährlich verleiht die Stadt Berlin die begehrten Arbeitsstipendien Literatur an hier lebende Autorinnen und Autoren. Um 11 Uhr geben die aktuellen Stipendiaten im Großen Salon des BE Einblicke in ihre „Berliner Manuskripte“, führen Gespräche, äußern Gedanken und netzwerken etwas. Die Gelegenheit, eine Reihe unterschiedlicher und wohlformulierter Perspektiven auf die Hauptstadt kennenzulernen. Karten kosten 8/ 6 Euro, Bertolt-Brecht-Platz 1 (Bhf Friedrichstraße)
Sonntagmittag – Nicht nur wer gerne im Regen Rad fährt, könnte Gefallen an dieser Landpartie finden: Die Nuthe-Nieplitz-Region, ungefähr zwischen Beelitz, Trebbin und Jüterbog gelegen, begeht heute den Tag der offenen Höfe, bei dem so unterschiedliche Erzeugnisse wie Honig, Seife, Käse und Fleisch, Spargel, Sanddorn oder feine Torten feilgeboten und Einblicke hinter die Kulissen der Herstellung gewährt werden. Eine Übersicht aller teilnehmenden Höfe finden Sie hier, das offene Brandenburg ist ab 11 Uhr zu erleben.
Sonntagabend steht selten nur das Wochenendenende an. Diesmal endet zugleich auch das Jazzfest, das schon seit 11 Uhr mittags mit den Kiezkonzerten einiges liegengebliebene Laub in der ganzen Stadt aufgewirbelt haben dürfte. Um 19 Uhr führt das KIM Collective im Haus der Berliner Festspiele mit einer multimedialen Oper in die Welt der Hyphae, Filamente und Sporen – es geht um Pilze, Funghi, die Mykologie und ein Leben, das weder Flora noch Fauna ist, zugleich aber überall und alles durchdringend. So ähnlich ist auch das Selbstverständnis des in Neukölln wurzelnden Kollektivs, das praktisch alle Gegensätze musikalischer Praxis in sich vereint und unentwegt wächst und wuchert. Mit Anthony Braxton und Marc Ribot folgen gleich im Anschluss zwei Giganten in puncto Auslotung und Überschreitung der Grenzen von Stil, Jazz, Musik im Allgemeinen, Flora und Fauna sowieso. Kombitickets für KIM, Braxton und Ribot kosten 29 bis 39, ermäßigt 20 Euro. Schaperstraße 24 (U-Bhf Spichernstraße)