Liebesdramen und dramatische Liebe
Samstagmorgen – Fragt man Google, wie es dieses Jahr um den Heuschnupfen bestellt ist, fragt Google gegen: „Heuschnupfen oder Corona?“ Offenbar stellen sich viele gerade diese Frage. Auch türmen sich allerorten Service-Artikel, die erklären, wie man zwischen den beiden unterscheidet. Vom Virus zur Bettruhe gezwungen zu werden erscheint dabei wesentlich respektabler. Nicht, dass hier das Virus verharmlost werden sollte, keineswegs. Aber, sich einzugestehen, dass man die Kontrolle über sein Leben an Blumen verloren habe? Wieso haben Blumen eigentlich nicht längst die Reptiloiden und Bill Gates an der Spitze gängiger Verschwörungstheorien abgelöst? Vielleicht ja, weil es Ikebana gibt: Die Kunst des Blumenarrangements. Hier kontrolliert der Schönheitssinn die Blumen und nicht andersrum. Mehr zum Thema finden Sie hier, hier und hier.
Samstagmittag – Wenn die Sonne scheint und alles grünt, blüht natürlich auch die Fahrradkultur auf. Wer sich informieren, ausstatten, beim Lastenrad-Rennen teilnehmen oder zuschauen oder beim Kaffee von einigen der stadtbesten Baristas nette Menschen für gemeinsame Ausfahrten kennenlernen will, ist dieses Wochenende bei der Radmesse Kolektif im Motorwerk, An der Industriebahn 12 in Weißensee, richtig.
Samstagabend – Und wer aller Lügen überdrüssig ist, geht um 19 Uhr ins Mote Studio. Dort wird dann die „Veritas Machine“ angeschmissen – eine lärmende, dynamische Schnittstelle aus zu einem Sprachsynthesizer neu zusammengeschweißten Tretnähmaschinen. Ja genau, Sprachsynthese aus Nähmaschinen – Text aus Textil, wenn man so will. Aber das ist längst nicht alles: Es geht hier um das Release von Lottie Sebes „Veritas Ventriloquist“ – einem Stück künstlerischer Forschung zum Thema Gender und Technik, das die Erinnerung an die Arbeit der Frauen im 19. und frühen 20. Jahrhundert wiedererweckt, deren Beine eben diese Nähmaschinen antrieben. Performances um 19 und 21 Uhr. Linienstraße 146.
Sonntagmorgen – Alt (Sufismus) trifft Neu (klingende Skulpturen aus dem 3D-Drucker): Zusammen gehen diese beiden ach so disparat scheinenden Welten auf eine Reise durch die Mystik der wohl spirituellsten Form des Islam, und zwar in der Kunst von Yara Mekawei. Eine Prise Musikwissenschaft und Philosophie lockert das thematische Gefüge, um im Anschluss an die Vergänglichkeit allen Seins zu erinnern: An diesem letzten Tag der Ausstellung ist das memento mori nämlich unausweichlich. 12 bis 19 Uhr in der daadgalerie (Oranienstraße 161), Eintritt frei
Sonntagmittag – Heute ist übrigens Welttheatertag. Und weil am Welttheatertag eben Welt und Theater besonders eng zusammenhängen, widmet das Deutsche Theater sein Programm dem Ge- und Nachdenken, sowie der Solidarität mit dem Akademischen Drama Theater in Mariupol, das am 16. März von einer russischen Bombe zerstört worden ist. Im Zweistundentakt beginnen ab 18 Uhr vier eigens dafür auf die Beine gestellte Produktionen. Eintritt je 5 Euro.
Sonntagabend – Liebt sie ihn noch immer? Die Beziehung von Taylor Swift zu Jake Gyllenhaal hat jahrelang die Klatschspalten gefüllt. Dann gingen beide ihrer Wege, (genau wie Abermillionen anderer Menschen, aber gut). Seit letztem Jahr trenden bei Google beider Namen nun wieder im Verbund, weil sie einen alten Song über ihn („All Too Well“) spektakulär neu eingesungen (mit doppelter Länge von über zehn Minuten) und mit einem neuen Video bzw. Kurzfilm bedacht hat. Sind da etwa noch Gefühle im Spiel?, fragen sich seitdem Milliarden von Menschen. Ein stimmungsvolles Setting zum Nachdenken über eben diese Frage bietet heute Abend die Zionskirche: Eine Auswahl ihrer Songs (auch „All Too Well“) wird hier bei Kerzenlicht vom Raso Streichquartett aufgeführt. Ein ganz anderes, aber nicht minder geeignetes Ambiente, ist Gyllenhaals neuester Actionfilm Ambulance, der in englischer Originalfassung zum Beispiel um 19.45 und 23 Uhr im Cinestar Cubix am Alex (Rathausstraße 1) läuft.