Am Wochenende die Radsaison einläuten
Wem es noch an Ausrüstung fehlt, kann sein Rad am Wochenende auf Vordermann bringen. Außerdem in Berlin: Punkrock, Theater und Klangkunst. Die Tipps von Thomas Wochnik
Foto: Kai-Uwe Heinrich
Samstagmorgen – Langsam ist es wieder soweit, neben dem saisonalen Frühlingsobst und -gemüse werden demnächst auch saisonale Radfahrerinnen wieder vermehrt in der Stadt anzutreffen sein. Wem es dafür noch an Ausrüstung fehlt oder wer sich mal auf den aktuellen Stand der Dinge in punkto Radwelt bringen möchte, bekommt auf der Kolektif-Berlin Fahrradmesse… nun ja, keine umfassende, aber in bestimmten Punkten nicht schlechte Gelegenheit. Abgesehen von einer Präsentation der Polizei Berlin zum Thema Pedelecs samstags und sonntags um je 10.15 Uhr, liegt der Schwerpunkt der Messe auf eher nischigen Themen wie offenen Radrennen auf beispielsweise Lastenrädern, Routenplanung und Langstrecken-Abenteuern, daneben Essen, Tattoos und einer ordentlichen Note Lifestyle. Auch wer ein soziologisches Interesse daran hat, wie das Fahrrad im Spannungsfeld zwischen Fahrzeug, Kulturgut und Fetischobjekt gehandelt wird, dürfte hier goldrichtig liegen. Die Höhe des Eintrittspreises darf man mit sich selbst ausmachen. Sa und So, jeweils ab 10 Uhr, Motorwerk Weißensee, An der Industriebahn 12
Samstagmittag – Das Boulez Ensemble, benannt nach dem Komponisten Pierre Boulez, gibt heute um 13.30 Uhr eineinhalb Stunden konzentrierter Boulez'scher Klangwelten zum Besten, und zwar im Boulez Saal. Mit der Sontaine für Flöte und Klavier, der Messagesquisse für Solo-Cello und sechs weitere Celli (Arrangement für Bratschen) und dem Éclat / Multiples für 25-köpfiges Ensemble gibt es so viel konzentrierte Nachkriegsmoderne, Serialismus und eben Boulez, wie selten. Monumental – Monument mal: Es gibt tatsächlich noch Tickets (ab 15 Euro). Französische Straße 33D, U-Bhf Hausvogteiplatz
Samstagabend – Verlieren und sich verlieren sind zwei ganz verschiedene Zustände, behauptet der Ankündigungstext. Verliert man etwas, weiß man nämlich nicht, wo es ist. Verliert man sich selbst, weiß man auch nichts. Moment mal, etwas verlieren ist das Verschwinden des Gewohnten. Sich verlieren ist dagegen das Auftauchen des Ungewohnten. So hat es jedenfalls die Schriftstellerin Rebecca Solnit aufgefasst – und dieser Logik will sich auch die Tanzperformanz von Anna Lena Häußler, Rosalie Stark und Musiker Demian Kern nähern. Und zwar im Grimmuseum, Fichtestraße 2, U-Bhf Südstern. Der Einlass ist um 20 Uhr, die Performance soll pünktlich um halb Neun beginnen. Wer anschließend etwas jüngste elektronische Klubmusik-Geschichte erleben möchte, sollte Mount Kimbie im Anomalie Art Club (Storkower Str. 123, S-Bhf Greifswalder Straße) nicht verpassen. Das Londoner Duo ist seit zehn Jahren prägend für den Sound der englischen Hauptstadt. Eintritt 13 Euro.
Sonntagmorgen – Wenn Sinti und Roma durch die Straßen Berlins ziehen, begegnen sie vor allem Vorurteilen. Kenntnis der kulturellen und geschichtlichen Hintergründe der Diaspora sowie etwas Verständnis dafür, was es bedeutet, entwurzelt, fremd und gewissermaßen zur Fremde (vor-)verurteilt zu sein, könnten durchaus für die hiesigen Sinti und Roma sowie für alle anderen Vertreterinnen unserer diversen Kultur bereichernd sein. Zwei Stunden, von 11 bis 13 Uhr, widmen ihnen das European Roma Institute for Arts and Culture und die Volksbühne mit Experten-Keynotes und einer offenen Diskussion. Eintritt 8 Euro, Volksbühne am U-Bhf Rosa-Luxemburg-Platz
Sonntagmittag – Ein Shoppingvergnügen der besonderen Art bietet die fünfzehnte Auflage des allseits beliebten Punk Rock Market im Cassiopeia, wo die Friedrichshainer Crème seit jeher ein und ausgeht um gemeinsamen Freizeitinteressen nachzugehen. Von 13 bis 19 Uhr finden sich hier handverlesene Punk-Paraphernalien wie Pins, Patches und Platten, Bänder, Klamotten und Schmuck, Poster, Sticker und vieles mehr, liebevoll auf den Gestellen der freundlichen Händlerinnen drapiert. Revaler Straße 99, S-Bhf Warschauer Straße
Sonntagabend – Auf den ersten Blick klingt es nach einem typischen Coming-Of-Age-Roman: Teenager begibt sich allein auf Reisen in ein fernes, unbekanntes Land, Wanderjahre sozusagen, um von zu Hause auszubrechen. Allerdings ist zu Hause hier nicht das Eternhaus – die Eltern fördern nämlich mit allen Mitteln die Ausreise des Kindes, um es in Sicherheit zu bringen. Zu Hause ist ein Land im Ausnahmezustand. Und der Stoff eben kein Roman, sondern die Geschichte unzähliger geflüchteter Minderjähriger. 50 Prozent aller Geflüchteten in Europa sind minderjährig. Ihre Sicherheit ist allerdings nur vorübergehend, denn Kinder ohne elterliche Begleitung dürfen laut Asylgesetz nicht abgeschoben werden – bis zum achtzehnten Lebensjahr. Was danach folgt, ist ungewiss. Das Science-Fiction-Theaterstück Futureland erzählt die Geschichten einiger 14- bis 18-Jähriger, deren Odyssee nicht etwa an einer Grenze endet, sondern zwischen Jugendamt, Sozialarbeit, Vormündern und anderen Institutionen und Menschen weitergeht. 19 Uhr im Maxim Gorki Theater, Am Festungsgraben 2, U-Bhf Friedrichstraße