Das bewegte Leben von Amerikas berühmtester Sexualtherapeutin
Ruth Westheimer entkam nur knapp den Nazis – und avancierte zu einer der bedeutendsten Figuren der sexuellen Aufklärung. Wir empfehlen zum Wochenende das Doku-Porträt „Ask Dr. Ruth“. Von Thomas Wochnik
Foto: Austin Hargrave/Hulu
Samstagnachmittag – Wer wirklich sehr kleine Schritte macht (nämlich von genau 23 Zentimetern Länge), bekommt auf dem Weg zum Bücherbogen am Savignyplatz die empfohlenen 1000 Schritte unter (macht 230 Meter Fußweg). Wer das nicht schafft, macht sie locker beim Stöbern zwischen den gut sortierten Regalen. Der nach dem Essen tiefe Körperschwerpunkt erleichtert zudem den festen Stand, was elegant zu einem thematischen Schwerpunkt des Buchladens überleitet: zur Architektur. Aber auch Berlin und Brandenburg, Kunst, Mode, Fotografie, Film und Tanz sind Schwerpunkte, die hier mit Leichtigkeit bedient werden. Das soll auch Karl Lagerfeld überzeugt haben, der den 1980 gegründeten Bücherbogen seinerzeit zu seinem Lieblings-Buchladen erklärt hat. Stadtbahnbogen 593, Mo-Sa 11-18 Uhr
Samstagabend – Auf die Frage, ob er zu jenen Menschen gehöre, die überwiegend in der Vergangenheit leben oder eher im Hier und Jetzt, antwortete Lagerfeld übrigens, er lebe schon immer ausschließlich in der Zukunft. Wenn es nach Ruth Karola Westheimer (hier im Interview) geht, hätte auch Sigmund Freud in der Zukunft leben sollen, dann hätte er nämlich eine Menge von ihr lernen und manchen Fehler vermeiden können. Die gebürtige Frankfurterin und Jüdin, die im Alter von zehn Jahren knapp den Nazis ins Ausland entkam, avancierte zu einer der bedeutendsten Figuren der sexuellen Aufklärung in den USA. Vom bewegten Leben der heute über Neunzigjährigen erzählt Ryan Whites Dokumentarfilm Ask Dr. Ruth (Fragen Sie Dr. Ruth, OmU), der heute im Xenon (Kolonnenstraße 5), sowie den Yorck Kinos New Yorck (Yorckstraße 86), Kant (Kantstraße 54), Filmtheater am Friedrichshain (Bötzowstraße 1-5) und im Capitol Dahlem (Thielalee 36) gezeigt wird.
Sonntagmorgen – Wer den Spaziergang entlang der autofreien Friedrichstraße wegen unvorhersehbaren Menschenaufkommens diesen Sonntag lieber meiden möchte, fahre doch raus nach Brandenburg. Zum Beispiel fast an die Grenze zu Meck-Pomm, die zugleich eine der schönsten Grenzen Brandenburgs ist, verläuft sie doch nur knapp unterhalb der malerischen Mecklenburger Seenplatte. Wie angenehm es sich dort weilt, wusste schon Fontane. Inspiration zur Freizeitgestaltung gibt es auf mecklenburgische-seenplatte.de. Auf dem Weg dahin bietet sich ein Zwischenhalt in Rheinsberg an – auch das wusste schon Fontane. Und weil auch die Rheinsberger wissen, dass Fontane es wusste, findet sich im Rheinsberger Ratskeller, gewissermaßen zur Erinnerung daran, Fontanes Leibgericht auf dem Speiseplan: Altbrandenburgischer Schmorbraten mit Ingwersauce und Apfelrotkohl, dazu Kartoffelklöße mit Semmelbutter zu 15,90 Euro.
Sonntagmittag – Wer nicht ganz so weit weg will, aber trotzdem Programm möchte, muss vielleicht auch gar nicht. Zurzeit läuft die Kunstwoche der Kommunalen Galerien. Und weil das so ist, gibt es zahlreiche Begleitveranstaltungen in den Bezirken. Heute zum Beispiel in der Kommunalen Galerie Charlottenburg-Wilmersdorf, der Galerie Kulturhaus Spandau, der rk in Lichtenberg und der Galerie Wedding, Adressen, weitere Termine und mehr auf der Homepage.
Sonntagabend halten wir's nochmal mit Lagerfeld und blicken zum Wochenendeende in die Zukunft: Der September ist der Monat der Zeitgenössischen Musik und die Karten sind coronabedingt knapper denn je. Daher: Sichern! Zum Auftakt, mit einem Bein in der Vergangenheit, dem August, gibt es heute ab 17 Uhr Programm für nach Entgrenzung strebende Ohren. Karten Sichern gilt übrigens auch fürs Musikfest der Berliner Festspiele, wo in den Händen des Ensemble Modern, des Klangforums Wien und Stars wie Igor Levit und Nicolas Altstaedt überwiegend das zwanzigste Jahrhundert widerhallt.