Geballte 49 Stunden Wochenende! Was tun? Beethoven meets Orgelpunks und Vorschau auf das nächste große Ding.
Samstagmorgen – In der Nacht von Samstag auf Sonntag werden die Uhren um eine Stunde zurückgedreht, ergo: 49 Stunden Wochenende! Was tun? Natürlich kann man die Extrastunde einfach verschlafen, sich dem Müßiggang hingeben und es gut sein lassen. Wer sich bei der Vorstellung, einfach mal zu entspannen, allerdings plötzlich verloren fühlt, besuche doch ein kleines Buchgeschäft in Prenzlauer Berg und arbeite zum Beispiel schon mal die Weihnachtsgeschenkeliste ab. „Viel Gluck mit die Bücher“ [sic] heißt der Laden des Verlegers Peter Graf, dessen Konzept darin besteht, ausschließlich Titel unabhängiger Verlage zu führen. Etwa 82 Verlage à 10 Titel haben in seinen Regalen Platz und Gelegenheit, sich einmal ohne die Konkurrenz großer Buchmarkt-Platzhirsche zu präsentieren. Der nette Herr hinterm Tresen hilft bei dieser Vorstellung natürlich auch gerne mit kompetent beratenden Worten. Geöffnet ist von 10 bis 19 Uhr in der Heinrich-Roller-Straße 7.
Samstagmittag – Um Töne statt Worte geht es üblicherweise ja bei Ludwig van Beethoven. Dass der Name allerdings nicht nur für das große Tatatataaaa und manches Skandalkonzert steht, sondern eben auch für ein gelebtes Leben, darüber verliert Drehbuchautor Thomas Sutter in „Beethoven – ein Leben“ zurecht einige an Worten – und das Ensemble des Atze Musiktheaters bringt diese mit der Originalmusik des Ludwig van auf die Bühne. Und zwar um 17 Uhr in der Luxemburger Straße 20. Sollten keine Tickets mehr für die Vorstellung zu bekommen sein: Es gibt noch einige weitere, zum Beispiel am Sonntag um 16 Uhr.
Samtagabend – „Woanders“, so heißt das aktuelle Album der Sängerin Masha Qrella, bei dem minimale Musik und dahingehauchter Gesang auf Texte von Thomas Brasch treffen und diese in puncto Atmosphäre, nun ja, ganz woanders hinführen, als man vielleicht denken würde. Gerade für alle, die Brasch schon mal aufmerksam gelesen haben, ein interessantes Experiment mit Ohrwurmpotenzial. Um 20 Uhr im Kunstraum Bethanien. Ab 21 Uhr trifft dann die „Nihilistic Prohibition“ auf „Delusive Utopia“ und beide üben sich im „Getting Away With Treason“. Nein, diese Programmpunkte beschreiben keine philosophische Gesprächsrunde, sondern sind allesamt Namen von Bands, deren Musik irgendwo im Spannungsfeld zwischen Punk und dem Sound wirklich großer Maschinen aus der Stahlfabrik oszilliert, und zwar im Tommy Weisbecker Haus.
Sonntagmorgen – Nach dem letztjährigen überwiegend digitalen Rundgang der UdK – so nennt die Kunstuni traditionell ihre Tage der offenen Tür – sollen diesmal die Schrittzähler-Apps wieder einiges zu tun haben. Rundgang kommt schließlich vom Gehen. Seit Freitag schon spähen Sammler:innen und Galerist:innen, Designagenten und Macherinnen aus der Kreativwirtschaft in den Fluren in Hardenberg-, Grunewald-, Lietzenburger Straße und Bundesallee sowie einigen anderen Spielorten nach „upcoming artists“ und dem „next big thing“. Wer ebenfalls eine Vorschau auf die kommende Welt haben möchte, werfe selbst einen Blick in das Programm und gehe einmal rund.
Sonntagmittag – Im Neuköllner Geräuschladen Ohrenhoch (Weichselstraße 49) geht es heute von 14 bis 21 Uhr um „Wörter“. Der Name der Lautsprecherinstallation ist dabei gar nicht schlecht gewählt, denn Wörter, nun, die können eben alles Mögliche bedeuten. Ein leerer Titel also – und jetzt kommen wir der Sache schon näher, denn um Leere geht es auch inhaltlich bei dieser Arbeit. Genauer: Um die Anhäufung verschiedener „Leeren“. Der Klangkünstler Vincent Laju hat nämlich mit verschiedenen Menschen und Sprachen über die Begriffe „Leere“ und „Anhäufung“ gesprochen, Feldaufnahmen angefertigt und mithilfe elektronischer Soundtechnik verfremdet.
Sonntagabend – Musik ist bewegte Luft, und je mehr Luft bewegt wird, desto erhabener das Musikerlebnis. Das ist schon lange bekannt, weshalb es Musik mit richtig viel bewegter Luft nicht erst seit Woodstock gibt. Die Kirche, zum Beispiel, hat die Macht der Musik früh erkannt: Schon im vierten Jahrhundert führte sie den Ambrosianischen Gesang als missionarisches Werkzeug ein. Im 14. Jahrhundert folgte schließlich die Orgel – das erste Instrument, das den Luftmassen der Kathedralen gerecht werden und wie kein anderes Erhabenheit ausstrahlen konnte. 2021 ist in Berlin das Orgeljahr und wer im Erhabenen das Haben betonen will, der hat die Orgel-App samt Orgel-Map des Berlin History e.V. eh längst installiert. Ebenfalls auf der Haben-Seite sind zwei Orgelkonzerte heute Abend: Um 17 Uhr spielt Elisabeth Orphal Klassisches an der Dinse-Orgel in der Ev. Kirchengemeinde Berlin-Nordend (Schönhauser Straße 32, Reinickendorf) und um 19 Uhr erklingt in der Lukaskirche Steglitz (Friedrichsruher Straße 6a) Bach, Impro-Jazz und Neue Musik.