„Tapedub“ zeigt die Schönheit der Tonbänder bei Ausstellung in Mitte
Im „Rainbow Unicorn“ kommen am Samstagmittag Kassetten-Fans zusammen. Und Schönebergs Cafés erinnern immer mehr an Kreuzberg. Die Checkpoint-Wochenendtipps. Von Thomas Wochnik
Foto: Stephanie Pilick/dpa
Samstagmorgen – Berlin, wie haste dir verändert! Wer den Wandel satt hat, muss ihn von Sonntag an zumindest weniger deutlich sehen, denn es wird nach der Zeitumstellung bekanntlich früher spät – und damit dunkel. Still steht die Zeit natürlich dennoch nicht. Und das feiern wir mit einem hervorragenden Kaffee bei Jules Geisberg in der Geisbergstraße 9 unweit des Viktoria-Luise-Platzes. Das neue Café ist ein Ableger des beliebten Jules-Cafés aus der Luckenwalder Straße 6b am Gleisdreieck und damit ein Beitrag zur Kreuzbergisierung – ein Fachbegriff aus der Kiezologie – Schönebergs. Tgl. 8 – 18 Uhr, Sa/So 10 – 18 Uhr
Samstagmittag – Apropos Wandel: Wie steht's eigentlich um die gute alte Audiokassette? Mit Low Fidelity und einer Note Nostalgie ist sie immer auch eine Kritik an der heutigen digitalen Kultur, die trotz technischer Optimierung nicht annähernd den Charme des Magnetbandes erreicht. Das meint jedenfalls einer der letzten professionellen Kassettendienste Berlins, „Tapedub“, und lädt von 14 bis 21 Uhr ins „Rainbow Unicorn“ (Anklamer Straße 50, U-Bhf Bernauer Straße) ein, um der Spur des magnetischen Bandes zu folgen. Ausgestellt sind einfach Kassetten samt Artworks und einer großen Menge des sinnlichen Sinns von anno dazumal.
Samstagabend – Endlich sagt mal einer, wie's ist! Genaugenommen sind es zwei, nämlich der Brite Ant Hampton und die in Argentinien aufgewachsene Rita Pauls. Beim Versuch, sich selbst in die deutsche Kultur zu integrieren, sind sie durchs Land getrampt und haben immer wieder die Frage „Was müsste Ihrer Meinung nach mal gesagt werden?“ gestellt. Die Antworten zeichneten sie auf und lernten sie auswendig – inklusive aller Ähs und Öhs, den Atempausen, dem Zaudern und der Wut, die sich hier und da Bahn brach. Entstanden ist so das einstündige „Mund-Stück“, das die beiden in perfekter Synchronizität zweistimmig vortragen, und zwar im Ballhaus Ost, um 18 Uhr und um 21 Uhr. Tickets zu 16,50 Euro über ballhausost.de. Pappelallee 15, U-Bhf Eberswalder Straße
Sonntagmorgens fühlt sich das eigene Bett einfach viel zu gut an, um verlassen zu werden. Zu gut, um weggeworfen zu werden, sind zugleich massenhaft Lebensmittel, die Bäckereien, Restaurants und Supermärkte am Tag nicht losgeworden sind. Zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt, wer über „To Good To Go“ eben diese Überschüsse für einen Bruchteil des Ladenpreises einkauft und, zum Beispiel, zum Frühstück im Bett verarbeitet.
Sonntagmittag – Wie alt und/ oder junggeblieben die Moderne mittlerweile ist, zeigt eine vom Bauhaus Archiv und Art Berlin veranstaltete Führung durch die Bauhaus Wohnkultur der Zwanziger im grünen Zehlendorf von 15 bis 17 Uhr. Die sichtbarsten Ausläufer des Bauhaus sind sicherlich den Horizont verkürzende Plattenbauten, die Zehlendorfer Tour nimmt sich dagegen genau der anderen Seite an: Im Grünen gelegene Bauhaus-Villen von unaufdringlicher Ruhe. Tickets kosten 18 Euro – wer keine mehr bekommt oder sowieso lieber im eigenen Tempo schlendert, werfe einen Blick auf die zahlreichen Bauhaus Touren, die Komoot-User angelegt haben. Startpunkt U-Bhf Krumme Lanke.
Beethoven-Konzert am Sonntagabend – eine fast abgedroschene Verbindung. Das Duo Brigitta Muntendorf und Moritz Lobeck hauchen ihr neues Leben ein: Ihre tönende Installation „The other Beethoven(s)“ nimmt nämlich, statt bloß der ein oder anderen Partitur, Beethovens Begriff des Kollektiven, wie er zum Beispiel in der „Ode an die Freude“ Ausdruck findet, zum Ausgangspunkt. In einer Mehrkanalkomposition sind klingende Abbilder von Sänger:innen des Beijing Queer Chorus, des Opernchores des Nationaltheaters Weimar und eines virtuellen Chors aus Sängerinnen und Performer:innen aus China, Korea und Japan zu hören, die alle summa summarum dasselbe tun: sie summen. Die Summe allen Gesummes heißt „Covered Culture“, für den Eintritt sind übers Wochenende verteilt zahlreiche Zeit-Slots eingerichtet, Kostenpunkt: 5 Euro. Radialsystem Holzmarktstraße 33, S-Bhf Ostbahnhof.